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Wind River

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  • Universum Film
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  • Wild Bunch Germany
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Story/Handlung von Wind River

Inmitten des Indianer-Reservats „Wind River“ findet der US Wildlife Agent Cory Lambert eine Leiche. Das junge Mädchen wurde missbraucht und ermordet. Das FBI übernimmt den Fall und überträgt der jungen Agentin Jane Banner die Ermittlungen. Diese hat gerade erst die Ausbildung beendet und ist bei ihrem ersten Fall nicht auf das unerwartet schroffe Klima des Winters und die damit einhergehende Isolation vorbereitet. Lambert, den der Mord an den Tod seiner eigenen Tochter erinnert, soll Banner bei ihren Ermittlungen in der ihm bestens bekannten Gegend als Fährtensucher und Führer unterstützen. Dabei werden beide vor ganz eigene Herausforderungen gestellt. Die FBI-Agentin stellt fest, dass ihre Ausbildung in der Praxis nicht immer so hilfreich ist wie ein gesundes Vertrauen in die eigenen Instinkte und Lambert muss sich mit lange verdrängten Emotionen auseinander setzen. Doch schon bald bietet sich ihm die Chance, den aktuellen Fall ebenso zu lösen wie das Verschwinden seiner Tochter …

Filmkritik zu Wind River

Eisige Isolation und gesetzlose Kälte 4. Juni 2018 | von Martin Sowa

Seit seinen erfolgreichen Drehbüchern zu „Sicario“ und „Hell or High Water“ hat sich Taylor Sheridan einen hervorragenden Ruf erarbeitet, den er mit Wind River aufs Neue bestätigt. Hier übernimmt er sogar noch zusätzlich die Regie und verortet die Handlung ausnahmsweise nicht in die südlichen Staaten der USA. Stattdessen wählt er das nördlich gelegene Wyoming als Schauplatz, wo das im Film dargestellte Reservat tatsächlich existiert. Auch die Grundlage des Thrillers basiert auf wahren Begebenheiten: Sheridan möchte darauf aufmerksam machen, dass die Behörden sich kaum bis gar nicht um Gewaltverbrechen gegen Frauen in Indianer-Reservaten kümmern. Ein Thema, das den gebürtigen Texaner unter anderem deshalb am Herzen liegt, weil er laut eigener Aussage früher selbst des Öfteren Zeit in Reservaten bei dort lebenden Freunden verbrachte und das ihn aufgrund der Vorwürfe gegen Produzent Weinstein dazu brachte, die Verhandlungen nochmal neu zu führen, um sich „seinen Film zurückzuholen“.

Leider muss ausgerechnet diese zentrale Gesellschaftskritik gegenüber den typischen Hollywood-Mechanismen etwas zurückstecken und die im Reservat lebenden Ureinwohner (vor allem die weiblichen) rücken in Wind River eher in den Hintergrund. Was der Botschaft des Films ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt, tut der dramaturgischen Qualität jedoch keinen Abbruch. Vollgepackt mit schmerzvollen Realitäten und Biografien ohne Hoffnungsschimmer inszeniert Sheridan eine eigentlich ruhig erzählte, dafür unterschwellig umso brutalere Geschichte. Für seinen Cast wählte der Regisseur unter anderem Gil Birmingham und Jon Bernthal, die auch schon in „Hell or High Water“ beziehungsweise „Sicario“ mit von der Partie waren. Die Hauptrollen besetzen mit Elizabeth Olsen und Jeremy Renner zwei ebenfalls Blockbuster-erfahrene Darsteller. Beide kennt man vermutlich primär aus den Filmen der Avengers-Reihe, dabei tauchten beide auch schon in wesentlich anspruchsvolleren Produktionen auf. Olsen war beispielsweise im Thriller „Oldboy“, der Science-Fiction-Action „Godzilla“ und dem biografischen Drama „I Saw The Light“ zu sehen. Interessanterweise tauchten ihre jeweiligen Co-Stars (Josh Brolin, Aaron Taylor-Johnson und Tom Hiddleston) ebenfalls in der Avengers-Reihe auf, nun spielt Olsen (unter dem Nachnamen eines weiteren Avengers) erneut an der Seite eines alten Bekannten. Jeremy Renner bewegt sich dabei auf gewohntem Terrain, zu seiner Filmografie gehören spannungsgeladene Titel wie „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“, „The Town – Stadt ohne Gnade“, „Kill the Messenger“ und „Arrival“. Mehr als nur einmal hat er bewiesen, dass er zerrissene Charaktere absolut glaubwürdig verkörpern kann und unterstreicht diese Qualitäten auch in Wind River erneut.

Renner ist – ebenso wie seine Filmfigur – derjenige, an dem man sich orientieren kann, er trägt großen Anteil daran, dass die Atmosphäre des Thrillers wie von Sheridan beabsichtigt umgesetzt wird. Trotz viel Schnee wirkt das winterliche Reservat zunehmend düster, trotz schier endloser Weiten macht sich schnell Beklemmung breit. Das liegt allerdings neben Renners Darbietung auch an der gelungenen Kameraarbeit, der Bildqualität und der akustischen Kulisse. Bleibt man im Kreis der von Sheridan verfassten Filme, hat „Sicario“ die Messlatte schon ganz schön hoch gelegt, aber Kameramann Ben Richardson beweist mit seiner Arbeit in Wind River, dass er ebenso wie Roger Deakins sein Handwerk versteht. Mit seinen hervorragenden Landschaftsbildern setzt er die Kulisse brillant in Szene und ist auch im hektischen Geschehen mit viel Überblick immer mittendrin. Ob Sheridan die Umsetzung seiner ursprünglichen Absichten gelingt, sei dahingestellt, ein packender Thriller ist ihm und seinem Team allerdings ohne Zweifel gelungen.

Fazit

Mit Wind River unterstreicht Taylor Sheridan seinen exzellenten Ruf als Drehbuchautor und erntet darüber hinaus noch Lorbeeren für die Regiearbeit. Tatsächlich ist der packende Thriller in der winterlichen Wildnis ein ebenso mitreißendes wie aufwühlendes Erlebnis, das lediglich zu einem gewissen Maß an den selbstgesteckten Erwartungen scheitert. Wer sich jedoch vom Anspruch losmachen kann, aus jedem Stück Kulturgut eine weltbewegende Botschaft zu extrahieren, findet in Wind River einen mehr als nur sehr soliden und handwerklich hervorragend inszenierten Thriller vor.

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80 %