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Verrückt nach Fixi

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  • Constantin Film
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Story/Handlung von Verrückt nach Fixi

Das Abi frisch in der Tasche, einen guten Notenschnitt inklusive: Für Tom (Jascha Rust) geht die Schulzeit ziemlich erfolgreich zu Ende. Zumindest fast, denn eine Freundin hat der nette Tom noch nicht gefunden. Auch mit der frisch von ihrem Machofreund getrennten Jessy (Ruby O. Fee) kommt er bei der Abifeier nicht so richtig ins Gespräch, obwohl ihn sein bester Freund Dodie (Roland Schreglmann) wieder einmal dazu überredet, das Mädchen anzusprechen. Und als wäre das noch nicht schlimm genug, wird Tom auch noch vor der versammelten Stufe als letzte männliche Jungfrau des Abijahrgangs mit einer aufblasbaren Gummipuppe „gewürdigt“. Frustriert verschwindet Tom und landet – nachdem er seine Begleitung nicht los wird – schließlich an der Bar eines Nachtclubs. Hier macht er zunächst die Bekanntschaft eines mysteriösen Asiaten, der ihn immerhin wieder ein wenig aufbaut. Als Tom sich auf den Heimweg macht und dabei im verregneten Hinterhof eine Pinkelpause einlegt, verursacht ein alter Glücksspielautomat einen Kurzschluss und schleudert Tom in einen Haufen Müllsäcke.

Als er am nächsten Morgen ohne Erinnerung in seinem Bett erwacht, ist er dort nicht allein. Eine bildhübsche Frau liegt neben ihm und nach dem ersten Schreck begreift Tom, dass die Gummipuppe namens Fixi (Lisa Tomaschewsky) lebendig geworden ist. Und mit ihr an seiner Seite öffnen sich plötzlich auch für Tom bislang verschlossene Türen. Auf einmal wird er von den „coolen“ Leuten akzeptiert und feiert Partys im angesagtesten Club der Stadt. Das ist schließlich auch deutlich interessanter als sich auf das geplante Medizinstudium vorzubereiten. Doch im Freudentaumel bemerkt Tom nicht, worum es seinen neuen „Freunden“ wirklich geht. Allen voran das Ekel Jannis (Lucas Reiber), Jessys Ex-Freund, der sich über Tom an Fixi heranmachen will. Dafür ist er sogar bereit, die langjährige Freundschaft zwischen Tom und Dodie zu sabotieren – wobei ihm fast jedes Mittel recht ist. Für Tom wird es also kurz nach dem Abi höchste Zeit, fürs Leben zu lernen…

Filmkritik zu Verrückt nach Fixi

Auch Jungs stehen auf Puppen 15. März 2017 | von

Obwohl Verrückt nach Fixi auf den ersten Blick wie die übliche Komödie über pubertierende Teenager wirken könnte, steht die titelgebende Figur tatsächlich eher am Rande des Rampenlichts. Primär dreht sich die Handlung um die Freundschaft zweier langjähriger Kumpel, die kurz nach dem Abitur ins Wanken gerät. Grund dafür ist eben jene Fixi, die zum Leben erwachte Gummipuppe, beziehungsweise die sich durch ihr Auftauchen plötzlich veränderten Umweltbedingungen für den Protagonisten Tom. Trotz der unvermeidlichen platten Gags und einigen erstaunlicherweise schon ab 12 Jahren freigegebenen heißen Szenen (der Name „Fixi“ erinnert phonetisch wohl nicht zufällig an eine vulgäre Aufforderung – zumindest wenn man den alveolaren Frikativ stimmhaft ausspricht) ist Verrückt nach Fixi daher keine typische Teenie-Komödie und vermittelt durchaus eine Botschaft. Zudem greift die Geschichte eingangs eröffnete Handlungsstränge gelungen wieder auf, lässt allerdings auch einige Schicksale offen und manche Nebenfiguren spielen auf einmal einfach keine Rolle mehr. Dennoch gelingt es Regisseur Mike Marzuk, die letztendlich natürlich sehr konstruierte Haupthandlung rund zu erzählen und vor allem den Schwenk zurück zur Realität sehr elegant zu vollziehen.

Dabei kann Marzuk allerdings auch auf gute Schauspieler zurückgreifen. Im Ensemble sticht vor allem Roland Schreglmann („Beste Chance“, „Die Wolke“) als Dodie, der beste Freund des Protagonisten Tom, heraus. Und das liegt definitiv nicht an seiner optischen Erscheinung, die sich von den übrigen Figuren ziemlich abhebt. Vielmehr ist der mit viel Schauspielerfahrung (auch am Theater) ausgestattete Schreglmann so etwas wie die Geheimwaffe von Verrückt nach Fixi. Selbst abgedroschene Textzeilen bringt der gebürtige Münchner noch souverän rüber und beweist neben seiner Hauptbeschäftigung als schräger Typ, dass er das Handwerk des Dramas ebenso gut beherrscht und selbst körperlichen Auseinandersetzungen die notwendige Greifbarkeit verleiht. Auch der eigentlich nur als Seriendarsteller bekannte Jascha Rust („In aller Freundschaft“, „GZSZ“) überzeugt in seiner ersten „echten“ Hauptrolle. Zwar sind ihm durch das Drehbuch Grenzen bei der zwangsläufig etwas hastigen Entwicklung seines Charakters gesetzt, innerhalb dieser agiert Rust allerdings ziemlich glaubwürdig und authentisch naiv. Nicht minder realistisch erscheinen die Antagonisten um Lucas Reiber und Lennart Betzgen, die mal so richtig verabscheuungswürdig daherkommen und damit ihre Sache außerordentlich gut erledigen. Generell wirken fast alle Schauspieler keinesfalls so, als würden sie hier eine Kunstfigur verkörpern.

Alles andere als hohl

Wobei man dadurch im Falle von Lisa Tomaschewsky („Deutschland 83“, „Seitenwechsel“) durchaus zur Annahme neigt, dass die Dame nicht mehr ganz richtig im Kopf ist. Schließlich muss sie als Fixi immer etwas unnatürlich und ziemlich „hohl“ agieren. Dass sie das aber tatsächlich nur sehr überzeugend spielt, beweist Tomaschewsky mit dem Interview im Bonusmaterial und gibt darüber hinaus interessante Einblicke in ihre Herangehensweise an die außergewöhnliche Figur, die sie zu verkörpern hatte. In dem Zuge räumt sie auch gleich noch jeden Zweifel daran aus, dass sie die Rolle der Gummipuppe nur bekommen haben könnte, weil sie bereits als Playboy-Model in Erscheinung trat. Denn obwohl sie natürlich ohne Frage die optischen Voraussetzungen für den betörenden Männertraum mitbringt, steckte sie auch einige ebenso subtile wie effektive Details in das Auftreten und den überschaubaren Charakter ihrer Figur.

Allein deshalb lohnt sich ein Blick ins umfangreiche Bonusmaterial, das vor allem mit ausgiebigen Interview aufwartet. Dazu gibt es ein sehr unterhaltsames „Behind-the-Scenes“, das zum Beispiel sehr skurrile Eindrücke von ohne Musik tanzenden Partygästen liefert. Ebenso sind Trailer Bestandteil der Extras. Technisch liegt die Blu-ray auf dem für Komödien erwartbaren Standard und übertrifft diesen gelegentlich sogar. Das Bild weist zwar weder Schwächen noch herausragende Eigenschaften auf, liefert aber durchweg scharfe Eindrücke mit kräftigen Farben und hohem Detailgrad. Die nächtlichen Szenen erweisen sich dabei als sehr respektabel und keinesfalls selbstverständlich für eine eher selten auf derlei Dinge bedachte Komödie. Das gilt ebenso für den Ton der Blu-ray, der im Format DTS-HD Master Audio 5.1 mit einigen sehr guten Effekten (etwa der räumliche Regenschauer nach Toms Nachtclub-Besuch) überrascht und beim Einsatz von Musik auch allen Kanälen gut zu tun gibt. Ansonsten spielt sich viel über die Frontlautsprecher ab, die bis auf wenige Ausnahmen sehr saubere Dialoge liefern.

Fazit

Verrückt nach Fixi gehört definitiv zu den besseren Komödien und besitzt dank der konsequent verfolgten Haupthandlung und den sehr guten Schauspielern einen hohen Spaßfaktor. Die lassen sogar über die teilweise doch sehr platten Gags und Klischees hinwegsehen, die im Zuge einer lebendig gewordenen Gummipuppe aber wohl unvermeidlich sind.

Watch|outs

Gesamt

61 %

Regie

Mike Marzuk