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Verräter wie wir

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Story/Handlung von Verräter wie wir

Eigentlich verläuft das Leben des Literatur-Dozenten Perry (Ewan McGregor) in ruhigen Bahnen, mal abgesehen von seiner Affäre mit einer Studentin. Gemeinsam mit seiner Frau Gail (Naomie Harris), einer erfolgreichen Rechtsanwältin, nimmt er daraufhin eine Auszeit in Marrakesch, um die angeschlagene Ehe zu retten. Während des Urlaubs lernt Perry in einem Restaurant den Russen Dima (Stellan Skarsgård) kennen, der ihm wenig später eröffnet, Geldwäscher für die Mafia zu sein und brisante Informationen zu besitzen. Deshalb fürchtet er allerdings auch um sein Leben und bittet Perry, dem britischen Geheimdienst MI6 einen Teil seiner Daten zu übergeben. Im Gegenzug erhofft er sich Asyl und Schutz für sich und seine Familie in Großbritannien.

Perry tut Dima diesen Gefallen und trifft am Londoner Flughafen auf den Agenten Hector (Damian Lewis), der ihn befragt und anschließend trotz Widerstands seiner Vorgesetzten die Ermittlungen aufnimmt. Dazu benötigt er weitere Informationen von Dima, die dieser allerdings nur in Gegenwart von Perry liefern möchte. Da Hector einigen der von Dima belasteten Personen schon länger auf den Fersen ist, ohne stichhaltige Beweise vorweisen zu können, gelingt es ihm, Perry und Gail zur Mitarbeit zu überreden. Diese müssen schnell feststellen, dass der vermeintlich simple Deal nicht so einfach in die Tat umzusetzen ist. Weil Dima und seiner Familie zunächst die Einreise verweigert wird, landet die Gruppe vorübergehend in einem Safe House in Frankreich und wird dort von der Russenmafia aufgespürt. Aus dem taktischen Katz-und-Maus-Spiel wird plötzlich tödlicher Ernst…

Filmkritik zu Verräter wie wir

Schachspiel mit Schusswechseln 22. November 2016 | von

Thriller auf der Basis der Romane von John le Carré sind immer eine sichere Nummer, „A Most Wanted Man“ und „Dame, König, As, Spion“ sind hier die jüngsten Positivbeispiele. Thematisch unterscheiden sich beide allerdings nicht nur voneinander, sondern auch von Verräter wie wir, der sich – glaubt man dem Querschnitt der Kritik – innerhalb dieses Trios bereits als Roman hinten anstellen muss. Die Begründung liegt auf der Hand, le Carré spielt seine Stärken vor allem in Settings während des Kalten Krieges aus, da er zu jener Zeit selbst Mitglied des Geheimdiensts war. Bei modernen Ansätzen hingegen werden ihm gerne Schwächen unterstellt und zu konstruiert wirkende Geschichten bescheinigt. Letztlich natürlich eine Frage des persönlichen Eindrucks, allerdings auch kein völlig abwegiger Punkt. Und somit verwundert es nicht, dass auch die filmische Umsetzung genau dieselben Vorwürfe ertragen muss, zumal die primär mit TV-Erfahrung versierte Regisseurin Susanna White lobenswerter Weise gar nicht daran denkt, einen potenziell schwächelnden Plot durch Knalleffekte zu übertünchen.

Stattdessen konzentriert sich die Britin unbeirrt auf eine von Sorgfalt geprägte Herangehensweise und stellt die Figuren in Verräter wie wir in den Fokus. Zumindest einige davon, denn Naomie Harris („Spectre“, „Southpaw“) wird als Anwältin Gail leider kaum gefordert und kann sich auch nicht wirklich einbringen, so dass ihre Rolle letztendlich ziemlich austauschbar bleibt. Auch die deutsche Nachwuchshoffnung Alicia von Rittberg („Herz aus Stahl“) kann kaum auf sich aufmerksam machen. Anders sieht es bei den männlichen Figuren aus, bei denen zunächst Ewan McGregor („Star Wars“, „Son of a Gun“) im Mittelpunkt steht. Der infolge eines Fehltritts (der Affäre mit einer Studentin) nach Wiedergutmachung strebende Dozent ist konsequenterweise zu fast Allem bereit und lässt sich zu einem gefährlichen Gefallen für einen ihm eigentlich völlig Fremden überreden. Zugegebenermaßen ein auf dem Papier nicht absolut nachvollziehbares Verhalten, das McGregor aber durchaus plausibel und glaubwürdig rüberbringt. Lange hinterfragen kann man diese Entscheidung sowieso nicht, denn spätestens jetzt hat bereits Stellan Skarsgård („Avengers“, „Die Liebe seines Lebens“) die Führung übernommen – und da gibt es weitaus schlechtere Kandidaten als den schwedischen Charakterdarsteller.

Skarsgård und Lewis in Bestform

Dieses Mal darf er sich als grundsätzlich nüchterner und berechnender Russe beweisen, der mit körperlicher Präsenz beeindruckt und selbst in akuter Lebensgefahr (in Person seiner ehemaligen Komplizen) stets Herr der Lage ist. Zwischenzeitlich wird zwar auch dieser harte Kerl von Emotionen übermannt und verliert die Beherrschung, nicht aber sein finales Ziel aus den Augen. Vorausschauende Planung, die richtige Einschätzung der Situation – all das sind Dinge, die er dem unbedarften Perry voraus hat. Mithalten kann da nur noch Damian Lewis als Geheimagent Hector, der letztendlich wohl der vielschichtigste Charakter in Verräter wie wir ist. Auf mehr oder weniger direktem Weg ist er mit fast allen beteiligten Personen in irgendeiner Art und Weise verknüpft, so dass weder seine grundlegende Motivation noch seine Entscheidungen je in Frage stehen. Gute Voraussetzungen also, aus denen der charismatische Lewis („Homeland“, „Königin der Wüste“) dank eigener Veranlagung und ausreichend Erfahrung dann auch konsequent sehr viel herausholt.

Verräter wie wir ist insgesamt also eher ein Thriller mit subtilen Untertönen als halsbrecherischem Spektakel. Dennoch kommen actionreiche Szenen nicht gänzlich zu kurz und die technische Qualität der Blu-ray darf sich nicht auf geringen Anforderungen ausruhen. Die jeweils auf Deutsch und Englisch verfügbare 5.1-DTS-HD-Master-Tonspur bekommt in einigen Kapiteln richtig viel zu tun und erledigt diese Aufgabe sehr souverän. Das Bild überzeugt mit einem sehr passenden Look mit stellenweise sehr effektiv eingesetztem Korn. Ansonsten dominieren die sehr sauberen Details und die respektablen Kontraste, die vor allem die dunklen Szenen sehr gut wirken lassen. Ebenfalls positiv ist das recht umfangreiche Bonusmaterial mit jeweils dreiminütigen Featurettes zur Story und Besetzung, ein etwa elf Minuten langes Making-Of sowie fünf Minuten entfallener Szenen und ein fast 18 Minuten laufendes B-Roll.

Fazit

Sauberes Handwerk mit Blick aufs Detail statt übertriebene Kraftdemonstration: Verräter wie wir gehört zu den Thrillern der ruhigeren Sorte, dem es deshalb aber weder an Spannung noch an Tempo mangelt. Und auch wenn man hier primär einem Schachspiel zwischen mehreren Parteien folgt, fliegen zwischenzeitlich ordentlich die Fetzen (beziehungsweise Kugeln). Verräter wie wir ist sicherlich nicht das Meisterwerk von John le Carré, übertrumpft viele reine Actionthriller aber trotzdem spielend.

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Gesamt

68 %