Watch|outs
79%

Traumfrauen

Foto:
  • Warner Bros
    /

Story/Handlung von Traumfrauen

Leni (Hannah Herzsprung) freut sich gerade sehr auf das Zusammenziehen mit ihrem Freund und berichtet ihm via Video-Chat am Laptop voller Enthusiasmus, dass sie ihre Wohnung gekündigt hat. Doch die Freude verfliegt schnell, als plötzlich die Affäre ihres Freundes im Hintergrund durchs Bild spaziert. Völlig am Boden zerstört und vom Liebeskummer gebeutelt muss Hannah nun zu allem Überfluss nun trotzdem ihre Wohnung räumen und vorher noch renovieren. Im Baumarkt trifft sie – immer noch völlig aufgelöst – den gutaussehenden, aber momentan relativ erfolglosen Schauspieler Joseph (Elyas M’Barek), der ihr nicht nur die paar für ihren Einkauf fehlenden Cent beisteuert, sondern darüber hinaus vergeblich seine Hilfe beim Renovieren anbietet. Die könnte Leni auch gut gebrauchen, denn natürlich geht die Aktion schief und sie wacht im Krankenhaus wieder auf. Dort warten bereits ihre Mutter Margaux (Iris Berben), Schwester Hannah (Karoline Herfurth) und deren Mitbewohnerin Vivi (Palina Rojinski) an ihrem Bett. Auch Vater Carl (Friedrich von Thun) taucht auf, was allerdings für Spannungen sorgt, da er Margaux kürzlich für seine jüngere Physiotherapeutin verlassen hat.

Glücklicherweise ist Leni bei ihrem kleinen Renovierungsunfall nicht viel passiert und sie wird spontan von Hannah und Vivi in die WG aufgenommen. Dort erfährt sie von Vivi auch sofort, wie sie ihren Liebeskummer loswerden kann – einfach mit so vielen Typen ins Bett steigen, dass sie schließlich gar nicht mehr weiß, wegen welchem Kerl sie eigentlich Liebeskummer hat. Also stürzen sich die drei ins Nachtleben. Hannah trifft im Club ausgerechnet auf ihren Anwaltskollegen, mit dem sie eine recht einseitige und mehr als lose Beziehung führt, während Leni erneut Joseph begegnet. Durch einen dummen Zufall landet sie schließlich aber im VIP-Bereich bei Sänger Guy (Doron Amit), in den sie sich natürlich auch prompt verliebt. Währenddessen wird sogar die vom Single-Dasein überzeugte Vivi von Peter (Frederick Lau) angesprochen – natürlich ohne dass daraus etwas werden soll. Dasselbe scheint auch für Lenis Beziehung zu Joseph zu gelten, bis sie schließlich merkt, dass Guy gar nicht der Typ ist, der er zu sein scheint. Als dann plötzlich auch noch ihr Ex-Freund wieder auftaucht, ist das alles dann doch etwas zu viel für sie…

Filmkritik zu Traumfrauen

Unterhaltsames Gefühlschaos 17. September 2015 | von

Angesichts des übergeordneten Themas in Traumfrauen drängt sich der Verdacht auf, dass es sich hier um die typische „Romantic Comedy“ fürs weibliche Publikum handelt. Allerdings sorgt das Regie-Debüt von Anika Decker definitiv auch bei männlichen Zuschauern für gute Unterhaltung. Woran das liegt? Sicherlich nicht zuletzt am teilweise vielleicht etwas zu romantisch-kitschigem Drehbuch, das insgesamt aber sehr unterhaltsam und locker-leicht ein extrem wirres und daher umso lustigeres Beziehungsgeflecht entknotet. Besonders die Szenen zwischen Leni und Joseph, die die „vierte Wand“ mitunter gehörig zum Wackeln bringen, sorgen für viel Spaß. Fürs männliche Publikum kommen mit Joseph und vor allem dem alternativ-selbstbewussten Peter Müller zudem zwei gelungene Charaktere vor, die den klischeehaften Kitsch problemlos wieder aufwiegen. Das einzige Problem an der Vielzahl der Figuren ist in gewissem Maße die ab und zu leicht oberflächlich wirkende Charakterzeichnung – da zeigen aber die entfallenen Szenen, dass das unter anderem auch dem Kompromiss zur Laufzeit geschuldet ist.

Überhaupt hat Anika Decker mit dem Drehbuch eine sehr gute Mischung gefunden, um den Film nie allzu sehr in ein Extrem abdriften zu lassen. Das ein oder andere Klischee wird natürlich trotzdem erfüllt, was allerdings bei Traumfrauen weniger deutlich auffällt als bei vielen anderen Komödien. In dem Bereich hat Decker natürlich Erfahrung zur Genüge, schließlich hat sie auch an den Scripts für „Keinohrhasen“, „Zweiohrküken“ und „Rubbeldiekatz“ mitgearbeitet – dank Traumfrauen weiß man nun auch, dass die teilweise sehr platten Witze in den genannten Filmen nicht unbedingt aus ihrer Feder stammen. Was selbstverständlich für sie spricht. Denn auch wenn die Traumfrauen mitunter in recht rüder Sprache kommunizieren, ist die Humorbasis letztendlich deutlich höher angesiedelt als in der gemeinen deutschen Komödie.

Top-Besetzung mit hoher Spielfreude

Zudem hat Decker als Regisseurin den namhaften Cast immer gut im Griff und dabei offenbar für eine sehr gute Atmosphäre gesorgt. Die Chemie zwischen Hannah Herzsprung und Elyas M’Barek stimmt bis ins Detail, möglicherweise auch dank der vorherigen Zusammenarbeit in „Who am I“. Mit Karoline Herfurth hat M’Barek in „Fack ju Göhte“ gute Teamarbeit bewiesen, wenngleich diese in Traumfrauen sehr knapp bemessen ist. Das macht allerdings nichts, denn auch die übrigen Rollen sind so gut besetzt, dass man nie an das Stichwort „Fehlbesetzung“ denkt. Ganz im Gegenteil werden selbst die Nebenrollen von bekannten Gesichtern verkörpert, die sich voll und ganz ihrer Aufgabe widmen. So darf Frederick Lau als unangepasster Hunde-Fan Peter Müller durchaus lobend erwähnt werden und darüber hinaus im Vergleich etwa zu seinem Auftritt in „Wir waren Könige“ eine neue Facette seines Könnens unter Beweis stellen. Auch dem israelischen Schauspieler Doron Amit nimmt man den bis ins Detail geplanten „I don’t give a F*ck“-Musiker absolut ab, während Iris Berben mit jeder Menge Selbstironie an die Darstellung der verlassenen Ehefrau Margaux herangeht. Selbst Palina Rojinski, die wahrscheinlich unerfahrenste Schauspielerin im Cast, kann nach der etwas holprigen Anfangsszene im Laufe des Films ihr Talent unter Beweis stellen und agiert besonders im Duett mit Frederick Lau sehr viel lockerer, als man vielleicht erwartet.

Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen bietet übrigens das Bonusmaterial der Blu-ray, das so ziemlich alle Aspekte der Entstehung von Traumfrauen beleuchtet und auch die Darsteller zu Wort kommen lässt. Technisch ist die Blu-ray übrigens absolut angemessen, wenngleich Bild und Ton natürlich auch nicht allzu sehr gefordert werden. Das Surround-Set wird abgesehen von den Musik-dominierten Szenen kaum gefordert, zeigt dann aber eine sehr gute Platzierung der Kulisse. Das Bild ist bis auf wenige Ausnahmen sehr reich an Kontrast und Farbsättigung und entspricht damit dem mittlerweile von Komödien erwarteten Standard. Ab und zu fehlt es zwar ein wenig an der Schärfe, was aber keinen Einfluss auf den Unterhaltungswert hat.

Fazit

Anika Decker beweist mit Traumfrauen, dass sie das Genre der Komödie absolut beherrscht und hat mit dem exzellent aufgelegten Cast genau die richtigen Mitstreiter gefunden. Dass hin und wieder das ein oder andere Fragezeichen in der Handlung auftaucht, lässt sich angesichts des durchweg hohen Unterhaltungswerts gerne vergessen. Gemessen an anderen „Rom-Coms“ ist Traumfrauen definitiv erwähnenswert und bietet anders als viele andere Vertreter des Genres trotz Romantik und Klischees auch eine Menge Unterhaltungs-Potenzial für das männliche Publikum.

Watch|outs

Gesamt

79 %

Regie

Anika Decker