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The Night Manager

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Story/Handlung von The Night Manager

Im Januar 2011 tobt in Kairo der Arabische Frühling auf seinem Höhepunkt. Die Bevölkerung protestiert gegen die Regierung und kämpft im vom Chaos regierten Stadtzentrum gegen das Militär, das die Aufstände niederschlagen will. Ausländische Reisende versuchen panisch, das Land zu verlassen und auch im Luxus-Hotel Nefertiti ist die Spannung greifbar. Das Glück der verbliebenen Gäste ist der Nachtmanager Jonathan Pine (Tom Hiddleston), der sich als ehemaliger Soldat der British Royal Army von der Situation nicht beeindrucken lässt und als einer der wenigen einen kühlen Kopf behält. Das bemerkt auch Sophie Alekan (Aure Atika), die Geliebte des jungen, aufbrausenden Hotelbesitzers Freddie Hamid (David Avery). Der Sohn einer der reichsten und mächtigsten Familie des Landes scheint in Waffengeschäfte mit dem britischen Unternehmer Richard Onslow Roper (Hugh Laurie) verstrickt zu sein, wie aus Dokumenten hervorgeht, die Alekan Pine übergibt.

Pine entschließt sich, die Unterlagen den Geheimdiensten zuzuspielen. Doch die Kette der Diplomatie ist brüchig und eine undichte Stelle bringt Alekan in Lebensgefahr. Pine kann die Folgen für sie nicht verhindern, doch seine Informationen gelangen trotzdem zu Angela Burr (Olivia Colman), die als Anti-Korruptionsermittlerin in der Abteilung für Innere Revision beim Auslandsgeheimdienst arbeitet. Jahre später – Pine hat Kairo inzwischen verlassen und arbeitet in der Schweiz – setzt Burr den Nachtmanager gezielt auf Roper an, während der in Pines Hotel residiert. In seinem Gefolge reisen enge Freunde und Berater sowie seine Geliebte Jed (Elizabeth Debicki) und sein Sohn Daniel mit. Letzterer wird während eines Restaurantbesuchs entführt, doch noch vor der Flucht der Geiselnehmer taucht ein Unbekannter auf, der Daniel rettet – es ist Pine, der den Überfall mit Burr inszeniert hat, um sich das Vertrauen von Roper zu erschleichen, dessen inneren Zirkel zu infiltrieren und Informationen für den britischen Geheimdienst zu sammeln. Doch auch jeder noch so sorgfältig ausgearbeitete Plan kann auf diesem Level internationaler Kriminialität nicht reibungslos funktionieren – denn auch Roper hat Kontakte in den höchsten Ebenen…

Filmkritik zu The Night Manager

Mini-Serie mit maximaler Spannung 22. April 2016 | von

Die Miniserie The Night Manager ist nicht die erste filmische Umsetzung des Romans von John le Carré, allerdings diejenige mit der insgesamt positivsten Rezeption. Der Grund liegt vor allem in der zur Verfügung stehenden Spielzeit, denn die umfangreiche Story ist einfach nicht in üblicher Spielfilmdauer abzuhandeln. Als Miniserie mit acht Folgen à 45 Minuten (im englischen Original erfolgte die Ausstrahlung in sechs Folgen à 60 Minuten) sieht das allerdings ganz anders aus, hier kann sich Regisseurin Susanne Bier ausgiebig den Details und sonst womöglich als unwichtig erachteten Nebensträngen widmen. Keine Zeitverschwendung, um dieser Befürchtung gleich vorweg zu greifen, denn so gewinnen alle beteiligten Figuren an Tiefe und Profil, insbesondere natürlich der von Tom Hiddleston verkörperte Protagonist Jonathan Pine. Sogar als neuer Bond-Darsteller habe der Brite sich damit ins Gespräch gebracht, wenngleich Hiddleston mit seinem smarten Auftreten dafür einerseits auch vorher bereits qualifiziert war und er sich selbst andererseits eher skeptisch gegenüber derlei Prophezeiungen äußerte. Angesichts seiner Leistung in The Night Manager wird er damit aber wohl leben müssen…

Als sein Gegenspieler weiß erstaunlicherweise Hugh Laurie zu überzeugen. Das „erstaunlich“ bezieht sich dabei allerdings nicht auf das Überzeugen an sich, sondern eher darauf, dass der als Dr. House bekannte Schauspieler hier als absolut verabscheuungswürdiger und narzisstischer Drecksack auftritt – den man ihm bereits nach wenigen Minuten abnimmt. Dabei gelingt es Laurie beeindruckend gut, genau das richtige Maß zu finden, um seine Figur deutlich zu positionieren, aber gleichzeitig auch nicht unglaubwürdig wirken zu lassen. So erweckt er stets und trotz extremster Skrupellosigkeit den Eindruck, dass man Typen wie ihn selbst schon mehrfach getroffen hat – und irgendwie hat wohl jeder bei Roper auch einen ganz bestimmten Kerl vor Augen…

Ähnlich überzeugend tritt übrigens auch Ropers Entourage auf, die sich in Sachen Selbstbewusstsein und –verliebtheit offenbar einiges bei ihrem Boss abgeschaut haben. Grandios spielt dabei Tom Hollander auf, der als rechte Hand Ropers so dermaßen unangenehm auftritt, dass man ihm in jeder Sekunde eine ordentliche Tracht Prügel wünscht. Angesichts der Diskrepanz zu seinem Auftreten in Talkshows et cetera eine reife Leistung, die Respekt verdient.

Etwas schade ist nur, dass die weiblichen Figuren da ein wenig zu klischeehaft rüberkommen, abgesehen von Olivia Colman als Agentin Angela Burr. Die Figur war in der Romanvorlage übrigens noch männlich (nur eine von diversen Abweichungen), was sich allerdings dank präziser Umsetzung und dem resoluten Auftreten Colmans als alternativlos erweist. Insbesondere die Szene, in der Burr den ihrer Meinung nach „zu perfekten“ Pine zu einem ernstzunehmenden Gangster umwandeln will, passt so gar nicht zu den üblichen weiblichen Geheimdienst-Figuren. Derartige Erwartungen werden da schon eher von Elizabeth Debicki als Ropers Geliebte Jed Marshall erfüllt. Allerdings darf man der jungen Schauspielerin hier zu Gute halten, dass sie noch nicht allzu viel Erfahrung im Business hat und dafür dann doch recht abgeklärt auftritt. Amüsante Randnotiz: Sie selbst ist in Paris geborene Australierin, ihre Figur hingegen eine im Roman ursprünglich als Engländerin angelegte Amerikanerin. Damit dürfte das Nationenchaos dann wohl perfekt sein…

Hochkarätiges Team – herausragendes Ergebnis

Apropos Nationen, hier gibt es noch eine weitere hinzuzufügen. Die Regisseurin Susanne Bier nämlich ist Dänin, ihr Vater stammte – angesichts des Nachnamens wenig überraschend – allerdings aus Deutschland und floh 1933 vor den Nazis. Zu einer ihrer bekannteren Arbeiten dürfte der Film „Brothers“ zählen, der unter demselben Titel als Remake mit Jake Gyllenhaal, Natalie Portman und Tobey Maguire neu aufgelegt wurde. In The Night Manager scheint sie mehr denn je im Hintergrund zu wirken und lässt ihren Akteuren eine Menge Spielraum, den diese dankend annehmen. Das soll Biers Arbeit keineswegs diskreditieren. Ganz im Gegenteil ist es anzuerkennen, dass sie ein von Namen und Erfahrung her herausragend besetztes Ensemble mit Blick auf das Gesamtergebnis so gut harmonieren lässt, ohne dass eine relevante Figur dabei auf der Strecke bleibt.

Die Episoden verteilen sich auf insgesamt drei DVDs (oder alternativ zwei Blu-rays), die wir als Rezensionsmuster vorliegen hatten. Erstaunlich ist das sehr gute Bild, das sehr unaufgeregt wirkt und mit einer ausgesprochenen Ruhe besticht. Selbstverständlich ist Heimkino-Ästheten die Blu-ray ans Herz zu legen, im Rahmen der Möglichkeiten einer DVD gibt es hier aber nichts auszusetzen. Dasselbe gilt für den Ton, der im deutschen und englischen DTS-HD Master Audio 5.1 vorliegt (letzterer allerdings nur auf Blu-ray) und sich – wenn gefordert – effektiv in Szene setzt. Größtenteils kommt die Miniserie aber ohne hektische Effekthascherei aus, weshalb sich die Surround-Lautsprecher vorwiegend mit der Musik und dezenten Hintergrundgeräuschen beschäftigen.
Im Bonusmaterial verstecken sich neben Featurettes und Trailern sehr sehenswerte Interviews (auch mit John le Carré, dem Autor der Romanvorlage), die nicht nur zeigen, wie sehr sich die Schauspieler von ihren Figuren unterscheiden, sondern auch ihre große Wertschätzung für das ganze Projekt und die jeweiligen Kollegen unterstreichen.

Fazit

Wenn eine TV-Serie angesichts des mittlerweile sehr reichhaltigen Angebots als eine der besten bezeichnet wird, muss darin schon eine Menge Qualität stecken. Das ist bei The Night Manager definitiv der Fall. Nicht nur die Story ist faszinierend, auch die Tatsache, dass derart namhafte Schauspieler für die Umsetzung gewonnen wurden, spricht für die Geschichte. Zu diesen gewichtigen Faktoren gesellt sich schließlich noch eine bis ins Details abgestimmte Erzählweise seitens Regisseurin Susanne Bier, die schnell Zeit und Realität vergessen lässt.

Watch|outs

Gesamt

86 %

Regie

Susanne Bier