Watch|outs
78%

The Equalizer

Foto:
  • Sony Pictures
    /

Story/Handlung von The Equalizer

Robert McCall (Denzel Washington) ist ein sehr ordentlicher, genügsamer Mensch. Er wohnt in einer kleinen Wohnung in Boston, nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel und ist stets höflich und hilfsbereit gegenüber Kunden und Mitarbeitern. Auch gegenüber Teri (Chloë Grace Moretz), einem jungen Mädchen, dem er regelmäßig im Diner begegnet. Obwohl er schnell merkt, dass etwas mit ihrem Leben nicht in Ordnung ist, hält er sich freundlich zurück. Erst als sie sich eines Abends im Diner zu ihm setzt und sie anschließend ein Stück des Heimweges gemeinsam zurücklegen, wird sein Misstrauen bestätigt. Denn Teri ist Prostituierte und Oper eines der russischen Mafia zugeneigten Menschenhändlers. Ihr Zuhälter Slavi (David Meunier) passt die beiden in Begleitung eines Handlangers ab, zwingt Teri ins Auto und fährt mit ihr davon. Als McCall erfährt, dass Teri später von Slavi krankenhausreif geprügelt wurde, stattet er ihm und seinen Komplizen einen Besuch ab. Die Situation eskaliert und um den in Augen der Russen zu neugierigen McCall loszuwerden, wird Teddy alias Nicolai Itchenko (Marton Csokas) nach Boston geschickt. Teddy ist ein ehemaliger Soldat der russischen Spezialeinheit Speznaz und schreckt vor nichts zurück, um seinen Job zu erledigen. Allerdings ist auch McCall in Wahrheit keineswegs der unscheinbare Typ, für den ihn alle halten.

Filmkritik zu The Equalizer

Urteile nicht nach dem Äußeren 18. Februar 2015 | von

Wer ein schnelles Urteil möchte: Das Duo aus Denzel Washington und dem Action-erprobten Antoine Fuqua steht für hohe Qualität. Ist nur einer der beiden an einem Film beteiligt, kann man davon ausgehen, dass sich der Kinobesuch oder Kauf fürs Heimkino lohnt. Sind beide gemeinsam aktiv, braucht man keine weiteren Informationen. Wie schon bei „Training Day“ sind nun auch in The Equalizer beide an Bord und bestätigen erneut die These, dass dabei ein guter Film herauskommen muss. Sogar ein sehr guter, denn wir haben es hier mit einem grandiosen Thriller zu tun. Über zwei Stunden lang wird die Geschichte des Kampfes zwischen McCall und diversen Ebenen russischer Kartelle erzählt und nicht eine Sekunde davon ist langweilig (zum Glück, denn immer wieder gibt es winzige Details, die für das Gesamtverständnis relevant sind). Das liegt noch nicht einmal an den perfekt choreografierten Actionszenen, sondern vor allem an der Entwicklung der Figuren. Neben Washingtons Charakter McCall ist dabei vor allem der von Marton Csokas verkörperte Teddy zu erwähnen. Das bedeutet allerdings auch zugleich, dass die Nebenrollen sehr deutlich im Schatten der beiden Hauptfiguren McCall und Teddy stehen. Chloë Grace Moretz etwa taucht handlungsbedingt lediglich in der ersten halben Stunde sowie in den finalen Minuten des Films auf. Diese Zeit nutzt sie allerdings so gut es eben möglich ist, um der von ihr verkörperten Teri Leben einzuhauchen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten gelingt das, insgesamt bleibt die Figur allerdings sehr oberflächlich.

Csokas hat da wesentlich größeren Spielraum und nutzt ihn perfekt. Der von ihm dargestellte Teddy ist wie so viele Antagonisten ein Soziopath und gleichzeitig als ehemaliger Elite-Soldat ein ebenso perfekt ausgebildeter Killer wie McCall. Vor allem in der Restaurant-Szene erinnert Teddy frappierend an den ebenfalls erfolgreich Soziopathen verkörpernden Kevin Spacey (man denke nur an „Sieben“ oder das kürzlich erschienene Videospiel „Call of Duty: Advanced Warfare“) – falls er das beabsichtigt hat: Respekt, das ist gelungen. Falls nicht – Respekt, das können nicht alle. In jeder Szene mit Csokas macht sich eine beklemmende Spannung breit, die förmlich zu zerreißen droht, wenn Teddy und McCall aufeinandertreffen. Besonders spürbar wird das im englischen Originalton, da Csokas, der Neuseeländer mit ungarischen Wurzeln, hier mit einem leicht russischen Akzent spricht – in der deutschen Synchronisation fehlt dieser leider.

Effiziente und rationale Killermaschine

Wie Csokas zeigt auch Denzel Washington eine brillante Leistung in der Verkörperung des auf Gerechtigkeit fixierten McCall. Dabei verhält er sich stets kühl berechnend genau so, wie es in der jeweiligen Situation angebracht ist. Warum gleich die erstbeste Gelegenheit zum Zuschlagen nutzen, wenn es doch auch noch eine weitere, noch bessere gibt? Dadurch ist auch zu erklären, warum er auch trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit immer im Vorteil ist – selbst wenn dabei etwas ausnahmsweise mal etwas unrealistisch erscheint, darf man sich das guten Gewissens mit der peniblen Vorbereitung der Aktionen schönreden.
Schwierig wird das nur bei den extrem brutalen Szenen selbst in der „FSK 16“-Version. Zwar werden die zahlreichen Morde im Laufe des Films nicht übertrieben in den Vordergrund gestellt, doch da McCall sich aus irgendeinem Grunde lieber auf improvisierte Waffen wie Korkenzieher, Heckenscheren und Vorschlaghämmer beschränkt als auf Schusswaffen zurückzugreifen, geht hier niemand kurz und schmerzlos über den Jordan. Und obwohl das Blut nicht in Fontänen durch die Gegen spritzt, fließen dennoch einige Liter gut sichtbar über die Leinwand. Auch Teddy ist trotz seiner Vorliebe für Sturmgewehre gerne mal mit bloßen Händen aktiv und steht McCall dabei in Sachen Brutalität in nichts nach. Regisseur Fuqua versteht es jedoch perfekt, dem Publikum an diesen Stellen genug Freiraum für die persönliche Fantasie zu lassen, um eben nicht stumpf irgendwelche Gewaltexzesse darzustellen. So wird das Ausmaß seiner Andeutungen erst im Kopf der Zuschauer festgelegt.
Extrem gut gelungen ist vor allem das finale Aufeinandertreffen der beiden Hauptfiguren McCall und Teddy, das ganz anders verläuft als man es aufgrund der „klassischen“ Actionfilm-Komposition erwartet. Die allerletzte Szene des Films hingegen wirft womöglich Fragen auf – an dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, dass man auch auf kleinste Hinweise achten sollte.

Aus diesem Grund sollte man beim Kauf unbedingt auf die Blu-ray von The Equalizer zurückgreifen. Wir hatten für unsere Rezension leider nur die DVD zur Verfügung. In den ruhigen Szenen ist an der Bildqualität auch absolut nichts auszusetzen, in den dynamischen und vor allem den dunklen Szenen gehen die Details in der niedrigeren Auflösung verloren. Das gleich doppelt schade, da McCall eben diese Details blitzschnell erfasst und sich zunutze macht. Dementsprechend viel Wert wird auch bei der Kameraführung darauf gelegt. Immer wieder folgen interessante Kamerafahrten, die ungewöhnliche Perspektiven auf mitunter schon häufiger gesehene Actionszenen bieten.
Darüber hinaus bietet die Blu-ray weitaus mehr Bonusmaterial als unsere Version und erklärt neben dem Film selbst auch die improvisierten Waffen von McCall und liefert Einblicke in die Dreharbeiten.
In Sachen Ton ist der DVD nichts vorzuwerfen und vor allem die verdammt gute Filmmusik sorgt für begeisternde Atmosphäre – obwohl man sie teilweise gar nicht bewusst wahrnimmt, was sie nur noch besser macht.

Fazit

Mit The Equalizer liefert das Duo Denzel Washington/Antoine Fuqua erneut eine grandiose Zusammenarbeit ab. Mit Marton Csokas als Drittem im Bunde ist ein selten gesehenes Gleichgewicht zwischen Pro- und Antagonist geschaffen und hält den Film konstant auf sehr hohem Niveau – nicht nur in Sachen Spannung. Die unkonventionellen Handlungsstränge und Kamerafahrten machen The Equalizer zum Must-See-Thriller.

Watch|outs

Gesamt

78 %