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Sauerkrautkoma

Foto: © 2018 Constantin Film Verleih GmbH/Bernd Schuller/ EuroVideo Medien GmbH

Story/Handlung von Sauerkrautkoma

Erst wurde Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) ins ländliche Niederkaltenkirchen strafversetzt, nun soll er zurück nach München. Dabei will er das eigentlich gar nicht so recht. Schließlich wartet dort sein Kumpel Rudi (Simon Schwarz) als Mitbewohner und seine Widersacherin Thin Lizzy (Nora Waldstätten) als neue Chefin auf ihn. Eberhofer würde deshalb lieber heute als morgen wieder zurück, zumal dort plötzlich Karl-Heinz Fleischmann (Gedeon Burkhard) aufgetaucht ist. Aus dem einst pickeligen „Fleischi“ ist im Laufe der Jahre eine attraktiver und ziemlich erfolgreicher Geschäftsmann geworden, der nun Eberhofers Dauerfreundin Susi (Lisa Maria Potthoff) umgarnt. So bleibt für Eberhofer nur noch ein Ausweg: Er muss Susi endlich den lang erwarteten Heiratsantrag machen. Da trifft es sich gut, dass im Kofferraum seines Vaters (Eisi Gulp) eine Frauenleiche auftaucht und Eberhofer einen Grund zur Heimkehr hat.

Filmkritik zu Sauerkrautkoma

Nicht einmal die Bayern mögen München 9. Februar 2019 | von

Bisher hatte es der bayrische Kommissar Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) in seinen Fällen mit eher harmlosen kulinarischen Auswüchsen zu tun. Das aktuell titelgebende „Sauerkrautkoma“ klingt da schon wesentlich bedrohlicher. Dabei wäre alles gar nicht so schlimm, wenn der Eberhofer nicht ausgerechnet nach München versetzt würde …

Raus aus der Idylle, rein in die Großstadt: Das Sauerkrautkoma sorgt mit einem grundlegenden Tapetenwechsel gleich für frischen Wind in der Eberhofer-Reihe. Der Protagonist wird unter fadenscheinigen Gründen vom Land „wegbefördert“ und landet ausgerechnet bei seiner Widersacherin Thin Lizzy (Nora Waldstätten) in München. Dort muss er sich nicht nur in einer WG mit seinem manchmal arg nervigen Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) zurechtfinden, auf einmal wird Teamarbeit von ihm gefordert und man legt Wert auf saubere Ermittlungsarbeit unter Berücksichtigung der Regeln.

In diesem Umfeld ist Eberhofer quasi der letzte bayrische Bulle, sofern der vergleichende Blick ins Ruhrgebiet an dieser Stelle erlaubt ist. München ist einfach nichts für den Franz, die ganze Stadt scheint ein einziges Start-Up mit entsprechendem „Mindset“ zu sein. Damit das auch unmissverständlich klar ist, werden sämtliche Klischees hier ganz besonders deutlich illustriert: Selbstoptimierung allerorten, einhergehend mit horrenden Preisen für so ziemlich alles und natürlich maximale Oberflächlichkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen. Hier gibt es maximal Burn-Out, aber kein Sauerkrautkoma.

„München kann mich am Arsch lecken“
Franz Eberhofer, kein Freund von Beförderungen

Kein Wunder, dass Eberhofer schleunigst zurück nach Niederkaltenkirchen möchte – wie der Vater, so der Sohn. Der Senior (Eisi Gulp) macht aus seiner Abneigung gegenüber der Metropole selbstverständlich keinen Hehl, die in einem herzerfrischenden Wutausbruch gipfelt, nachdem ihm dort sein Auto gestohlen wird. Damit spricht er vermutlich auch dem Großteil des Publikums aus der Seele, denn wer mag schon München, außer seinen Einwohnern und Fans des Oktoberfests? Allein fußballerisch gibt es ja schon seit Jahren einen eindeutigen Trend … Zurück zum Auto, das beherbergt nämlich plötzlich eine Leiche. Die gehört nicht zur Serienausstattung und deshalb darf Eberhofer junior auch wieder zurück aufs Land, um vor Ort zu ermitteln.

Fortschritt als Bedrohung

Was bleibt von diesem kurzen Ausflug ins Urbane, der im Prinzip nur die Abneigung der Landeier verdeutlicht? Der „Fleischi“ (Gedeon Burkhard) bleibt, Eberhofers neuer Rivale im Kampf um Susis (Lisa Maria Potthoff) Gunst. „Fleischi“ ist ein ehemaliger Schulkamerad von Eberhofer und Co, der nun als erfolgreicher Unternehmer per Elektroauto wieder ins beschauliche Niederkaltenkirchen zurückkehrt. Ein menschgewordenes Äquivalent zu München, das in Eberhofers Idyll eindringt und drauf und dran ist, Susi den Kopf zu verdrehen. Selten war die Bedrohung für Eberhofer so groß und das bewirkt bei ihm tatsächlich ein gewisses Maß an Engagement. Trotzdem hat er noch genug Kapazitäten für seine Ermittlungen übrig, anders als es beispielsweise bei „Schweinskopf al dente“ noch der Fall war. Anlaufschwierigkeiten hat der Eberhofer natürlich immer noch, aber die gehören bei ihm halt dazu.

Das gilt auch für die eingespielte Besetzung, die ihre teilweise doch sehr bräsigen Figuren mittlerweile fast schon beängstigend perfektioniert hat und sogar im Sauerkrautkoma traumwandlerisch sicher miteinander harmoniert. Letztlich klappt die Teamarbeit in der realen Welt eben doch. Fans der Reihe kommen daher wie gewohnt auf ihre Kosten, Neueinsteiger sollten sich — trotz des großen Erfolgs an den Kinokassen — aber vielleicht erst einmal die Vorgänger-Filme zu Gemüte führen. Nicht zuletzt, um ein Gefühl für den humoristischen Grundton der Heimatkrimis zu bekommen.

Starke Running Gags, besser denn je

In Sauerkrautkoma gibt es nämlich neben den altbewährten und starken Running Gags auch ein paar derbere Kapitel. Die Ausflüge in die Keramik-Abteilung des Humors muss man schon mögen, immerhin bewegen sie sich aber nicht auf dem meist doch sehr niedrigen Niveau der durchschnittlichen deutschen Komödie. Dafür ist die Romanvorlage von Rita Falk eben auch viel zu gut und die Stärken der Eberhofer-Reihe liegen ohnehin in anderen Disziplinen. Ob es nun die Gesangseinlagen vom Flötzinger (Daniel Christensen), nächtliche Schnapsideen (dieses Mal im Zusammenhang mit dem Maibaum auf dem Marktplatz) oder die obligatorische Fahrt im Kreisverkehr sind, die „üblichen“ Zutaten machen auch das Sauerkraut zu einer cineastischen Delikatesse.

Regie

Ed Herzog