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Rheingold – Gesichter eines Flusses

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Story/Handlung von Rheingold – Gesichter eines Flusses

Der Rhein ist sozusagen das Zentrum der europäischen Seele. Im Laufe der Jahrtausende bewegte er sich auf immer neuen Wegen durch den Kontinent und nahm Einfluss auf die Entwicklung einzigartiger Kulturlandschaften. Im stetigen Wechselspiel prägten sich Rhein und die an ihm siedelnden Völker gegenseitig. Der lange Weg vom Gotthardmassiv bis ins Meer führt den Rhein heute durch sechs Länder: Die Schweiz, Österreich, Liechtenstein – wo er zum ersten Mal auch eine Grenze bildet –, Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Dazu liegen Luxemburg, Belgien und Italien im Einflussbereich des Rheins – schon die Römer nutzten den Fluss während ihrer Hochzeit.

Filmkritik zu Rheingold – Gesichter eines Flusses

Spektakuläre Vielfalt eines Flusses 30. Januar 2015 | von

Die Dokumentation Rheingold folgt dem Fluss auf seinem Weg durch Europa und begleitet ihn dabei ausschließlich aus der Vogelperspektive. Von oben ergibt sich ein völlig anderes Bild als es der alltägliche Blick vom Ufer aus bietet. Nicht nur die Größe, Macht und Stärke des Rheins wirken völlig anders. Auch die Vielfalt seiner Uferlandschaften lässt sich erst im Überflug erfassen. Von den karibisch anmutenden, glitzernden Rheinauen bis hin zu an die Serengeti erinnernden Wiesen in Schwemmgebieten oder Amazonas-haften Abschnitten präsentiert sich der Rhein in all seiner Pracht. Selbst weniger exotische Landschaften sind spektakulär anzusehen: die Mündung in den Bodensee mit dem Vermischen kalter und warmer Wassermassen bietet ein faszinierendes Schauspiel.

Überhaupt sind die Bilder unglaublich beeindruckend. Nicht nur auf Grund der perfekt gewählten Perspektiven sondern vor allem wegen der hohen Präzision und Schärfe der Aufnahmen. Kein Detail geht verloren, selbst im schnellen Vorbeiflug sind die Blätter der Bäume am Ufer und die Gischt am Rheinfall bis ins Kleinste auszumachen. Möglich macht dies das Heli-Kamera-System mit Cineflex-Kamera, das Filmemacher Peter Bardehle und Nachwuchsregisseurin Lena Leonhardt einsetzten (und auf das im Bonusmaterial etwas ausführlicher eingegangen wird). Zwei Jahre lang dauerten die Aufnahmearbeiten – ein Aufwand, der sich ohne jeden Zweifel gelohnt hat.

Neben der Kameraperspektive ebenfalls eher ungewöhnlich ist der Einsatz von gleich zwei Sprechern. Die beiden Schauspieler Anne Moll und Ben Becker wechseln sich ab, während sie dem Publikum die Geschichte des Rheins näher bringen. Ben Becker leiht dem Rhein selbst seine markante, tiefe Stimme und erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive auf Grundlage von Mythen und Legenden. Anne Moll hingegen beschreibt den Rhein als Hauptsprecherin aus Sicht der externen Betrachterin und unter wissenschaftlichen und geschichtlichen Gesichtspunkten. Dabei geht Rheingold nicht nur auf den Rhein selbst ein, sondern berichtet auch vom vielfältigen Leben an seinen Ufern und der Entwicklung der dort errichteten Städte mit besonderem Blick ihre kulturellen Errungenschaften. Die Stimmen von Moll und Becker werden von einer ebenso liebevoll ausgewählten wie stimmungsvoll wirkenden Filmmusik begleitet, die auf von den Stuttgarter Komponisten Steffen Wick und Simon Detel modernisierten Themen und Motiven aus Wagners Oper „Das Rheingold“ basiert.

Fazit

Ob als schmales Bächlein zwischen Bergwiesen, ruhig fließender Kanal oder reißender Strom in kurvenreichem Flussbett: Rheingold versteckt kein Detail des „Gottesstroms“. Die spektakulären Bilder lassen den Rhein in ganz neuer Perspektive beeindrucken und verleihen dem Genre des Dokumentarfilms eine bislang ungekannte Ästhetik.

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