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Renegades – Mission of Honor

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  • Universum Film
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Story/Handlung von Renegades – Mission of Honor

Ein Team der Navy SEALs ist 1995 in Sarajewo im Einsatz und macht im Auftrag der Nato Jagd auf Kriegsverbrecher. Das tun sie auch außerordentlich gut, gehen dabei allerdings nicht immer besonders subtil vor. Nachdem sie erneut einen Auftrag erfolgreich beendet haben, flüchten sie ziemlich spektakulär mit einem Panzer. Das sorgt für Ärger und ihr Boss (J.K. Simmons) suspendiert die Truppe vorübergehend. Während sich die Soldaten die unerwünscht auferlegte Freizeit zu vertreiben versuchen, hören sie von einem Goldschatz, den die Nazis im Zweiten Weltkrieg geraubt und in einem nahegelegenen See versenkt haben sollen. Dort liegt er nun seit Jahrzehnten im Wasser und wartet quasi nur noch auf seine Bergung. Gemeinsam mit der Einheimischen Lara (Sylvia Hoeks) beginnen fünf SEALs mit der Suche nach dem Schatz. Ihre geheimen Tauchgänge bleiben allerdings dem serbischen General Petrovic (Clemens Schick) nicht verborgen – offenbar sind die SEALs nicht die einzigen Schatzsucher im ehemaligen Jugoslawien…

Filmkritik zu Renegades – Mission of Honor

Pure Action und Spaß dabei 7. Dezember 2018 | von Martin Sowa

Reine Action-Kracher sind heutzutage kaum noch außerhalb von irgendwelchen Science-Fiction-Szenarien verortet und mit der Logik ist es dabei oft auch nicht so weit her. Da freut es den geneigten Zuschauer, wenn mal wieder ein handfester Streifen daherkommt, der vor allem der Unterhaltung dient und eben nicht komplett fiktive Rahmenbedingungen mit sich bringt. Zu dieser Sorte des guten, ehrlichen Action-Films zählt Renegades – Mission of Honor und belebt damit dieses fast schon sträflich vernachlässigte Genre. Hinderlich ausgeprägte historische Detailtreue und übertriebenen Ernst sucht man hier (zum Glück) vergeblich, wir haben es hier nicht mit einem (Anti-)Kriegsfilm zu tun, der unbedingt eine Botschaft senden will. Die im Fokus stehende Truppe der SEALs agiert reichlich locker, fast so als wäre der Krieg für sie eher so etwas wie ein großer Abenteuerspielplatz. Einerseits ist es natürlich etwas heikel, das Elend und Leid eines bewaffneten Konflikts so deutlich zu verzerren, andererseits wird eben auch mehrfach betont, dass vor allem das Volk unter dem Krieg zu leiden hat und ihm geholfen werden muss. Diese an sich noble Einstellung verblasst angesichts des „coolen“ Auftretens immer wieder etwas. Viel mehr bleiben waghalsige Manöver mit allerlei militärischen Fortbewegungsmitteln und natürlich die immer wieder eingestreuten Sprüche im Gedächtnis – wer leichtverdauliches Actionkino mag, kommt hier sicher auf seine Kosten.

Die SEALs selbst bleiben dabei zwar relativ austauschbar und so überrascht es nicht, dass J. K. Simmons („Whiplash“, „The Accountant“) als ihr Vorgesetzter zu überzeugen weiß. Der Oscar-Preisträger macht sich seine Rolle letztlich einfach mehr zu eigen und interpretiert sie greifbarer als die eigentlichen Protagonisten – was neben den Vorgaben des Drehbuchs natürlich auch daran liegt, dass Simmons schlicht wesentlich routinierter ist als seine Militär-Kollegen. Lediglich Sullivan Stapleton („300: Rise of an Empire“) verfügt über Erfahrung als Hauptdarsteller und spielt fast schon zwingend logisch den Anführer des Teams, das unter anderem Dimitri Leonidas und Diarmaid Murtagh vervollständigen. Die beiden waren in „Monuments Men“ immerhin schon einmal auf ähnlichem Terrain unterwegs, während Charlie Bewley („Twilight“) und der primär als Theaterschauspieler aktive Joshua Henry noch weniger Erfahrung auf diesem Gebiet vorzuweisen haben. Das tut der Harmonie untereinander aber keinen Abbruch, der Unterhaltungsfaktor ist wie erwähnt hoch.

Internationales Charisma

Ein interessantes Detail dabei: Keiner der SEALs-Darsteller stammt aus den USA, genauso wenig wie die einheimische Komplizin Lara oder der Gegenspieler Petrovic von entsprechenden Landsleuten verkörpert werden. Die Rolle der hübschen Barfrau übernimmt die Niederländerin Sylvia Hoeks, die in ihr Action-Potenzial „Blade Runner 2049“ schon andeutete, in Renegades aber wieder etwas zurückstecken muss. Anders als der Deutsche Clemens Schick („4 Könige“, „Stille Reserven“), der die Figur des serbischen Generals Petrovic übernimmt. Er hat mit seinen Rollen schon gefühlt jede Nationalität ausgefüllt hat und mit einem Höchstmaß an natürlichem Charisma einfach ein hervorragender Schauspieler ist. Da macht es auch nichts, dass sein Charakter vom Drehbuch ebenfalls weitgehend unberührt bleibt. Tatsächlich gelingt es Schick trotz des eher dünnen Profils seiner Figur, ein ernstzunehmendes Gegengewicht zu den gut aufgelegten SEALs darzustellen, das Renegades davor bewahrt, zu einer allzu lockeren Affäre zu werden. Schließlich gibt es ja trotz aller komödiantischen Untertöne, eine zentrale und nicht ganz simple Mission zu erfüllen, die dementsprechend auch ein Mindestmaß an Hindernissen und Gefahrenpotenzial mit sich bringen sollte. Das gelingt in dieser Konstellation letztendlich auch auf sehr zufriedenstellendem Niveau, ohne aber zu ernst oder dramatisch zu werden. Klassisches Action-Popcorn-Kino at its best, sozusagen, und davon gibt es ja leider nicht mehr allzu viel.

Regie

Steven Quale