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Predestination

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  • Tiberius Film
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Story/Handlung von Predestination

Wie bekämpft man Terroranschläge am besten? Indem man sie verhindert. Da trifft es sich äußerst gut, dass Zeitreisen ab (bzw. seit) 1981 möglich sind. Ein Agent (Ethan Hawke) des Temporal Bureau springt aus diesem Grund quer durch die Jahrzehnte, um Verbrechen zu verhindern und vor allem katastrophale Anschläge zu verhindern. Ein Auftrag erfordert eine Zeitreise nach New York in die bereits vergangenen 1970er Jahre. Ein Bombenleger, auch als „Fizzle Bomber“ bekannt, konnte ihm bereits mehrfach entwischen und mit seinen verheerenden Anschlägen zahlreiche Menschen töten. In der Undercover-Identität eines Barkeepers sucht der Agent nach Spuren. Eines Abends macht er in der Kneipe eine Bekanntschaft (Sarah Snook), die mit ihm durch die Zeit reisen und eine alte Rechnung begleichen will. Dabei ist Vorsicht das höchste Gut, denn kleine Änderungen der Vergangenheit können den Lauf der Geschichte massiv beeinflussen – und manche Rechnungen können nie beglichen werden.

Filmkritik zu Predestination

Genialer Film zum Kopfzerbrechen 19. Februar 2015 | von

Wer in Predestination eine spektakuläre Hetzjagd durch die Jahrzehnte erwartet, mit imposanten Special Effects und all dem anderen Zeug, das zeitgenössische Geschichten dieses Thema ausmacht, wird wahrscheinlich ein wenig enttäuscht sein. Denn obwohl der Ansatz der präventiven Verbrechensbekämpfung stark an „Minority Report“ erinnert, setzt Predestination auf Sein statt auf Schein. Ein furioses Finale mit dem alles entscheidenden Showdown gibt es nicht – zum Glück! Der Film ist von Anfang bis Ende ein furioses Finale, nur eben auf geistiger statt optischer Ebene. Ziemlich genau 92 Minuten dauert die Geschichte, die in der ersten Stunde scheinbar schleppend verläuft. Allerdings ist dieser Teil enorm wichtig, um die Geschichte verstehen zu können. Denn was dann passiert, ist wahrlich keine leichte Kost. Wer seinen Bedarf an multimedialem Konsum ansonsten vorwiegend mit dem Angebot deutscher Privatsender deckt oder aus anderen Gründen weitestgehend auf den aktiven Einsatz seines Gehirns verzichtet, sollte sich besser eine Kopfschmerztablette bereit legen – man muss hier tatsächlich mal wieder ausführlich mitdenken, um alles zu verstehen. Und das lohnt sich!

Nach dem vor ein paar Tagen von uns rezensierten „The Equalizer“ mit Denzel Washington haben wir nun auch seinen Partner aus „Training Day“ auf der Leinwand. Ethan Hawke spielt den Zeitreise-Agenten/Barkeeper und steht damit wie in seinem Debüt in einem Science-Fiction-Film vor der Kamera. Seine Projekte beinhalten neben zahlreichen Filmen auch Auftritte am Theater und neben modernen Geschichten auch Klassiker wie „Hamlet“ oder „Der Club der toten Dichter“. Allein deshalb ist sein Name auf dem Filmposter bereits ein gutes Qualitätsmerkmal. Dass er dieses „Vorurteil“ auch immer wieder durch seine Leistung bestätigt, macht es ziemlich unverständlich, warum er so vielen Leuten trotzdem kein Begriff ist…

Starke Besetzung, beeindruckende Grundlage

Für die deutlich jüngere weibliche Hauptdarstellerin Sarah Snook ist ihre Rolle in Predestination eine der ersten Hauptrollen dieser Größenordnung, insofern bleibt ihr noch viel Zeit, sich einen Namen zu machen. Den ersten Schritt hat sie hier auf jeden Fall gemacht, denn ihre Wandlungsfähigkeit ist beeindruckend und beweist, dass sie auch für wesentlich größere Aufgaben als ein paar Fernsehserien und seichte Komödien bereit ist. Neben den beiden tritt lediglich noch Noah Tayler als Mr. Robertson nennenswert in Erscheinung. Dank langjähriger Erfahrung und Auftritten unter anderem in den Verfilmungen von „Tomb Raider“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und der Erfolgsserie „Game of Thrones“ versteht er es, seine Rolle mit der nötigen Relevanz auszufüllen und gleichzeitig ausreichend zurückhaltend zu sein, um den Hauptfiguren das Feld zu überlassen.

Als Grundlage (von den Regie führenden Brüdern Michael und Peter Spierig übrigens sehr detailgetreu umgesetzt) für Predestination diente die Kurzgeschichte „All You Zombies“ von Robert A. Heinlein, einem der wohl bekanntesten Autoren des Science-Fiction-Genres. Geschrieben wurde „All You Zombies“ an nur einem einzigen Tag, im Jahre 1958. Interessantes Detail: Die Geschichte wurde dem „Playboy“ zur Veröffentlichung angeboten und vom Magazin abgelehnt, was auch im Film mit einem kleinen Seitenhieb kommentiert wird.
Das Entstehungsdatum der Kurzgeschichte erklärt auch den sich von modernen Zeitreise-Filmen unterscheidenden Ansatz der Zeitsprünge. Umso beeindruckender, dass Heinlein bereits damals auf Ideen gekommen ist, um die durch Zeitreisen entstehende Paradoxe durchaus sinnvoll erklären zu können, was heutzutage häufig nicht gelingt. In Sachen Zeitreise fallen wahrscheinlich jedem Filmfan gleich mehrere Titel ein, die größtenteils eher nicht überzeugen. Predestination schafft das allerdings. Von realistisch zu sprechen verbietet sich in dem Zusammenhang natürlich (zumal ein kleines, aber relevantes Detail fehlt), logisch ist das Erzählte aber durchaus – und ein netter Konter für all diejenigen, die behaupten, dass Zeitreisen deshalb nicht möglich sind, weil es sie dann auch automatisch heute geben würde.

Wie erwähnt verzichtet Predestination weitgehend auf futuristische Spezialeffekte, die Bildqualität der Blu-ray ist dementsprechend mit relativ geringen Anforderungen konfrontiert und erfüllt alle Ansprüche spielend. Details fallen positiv auf, ohne irgendwie in den Vordergrund gedrängt zu werden. Die seltenen Spezialeffekte sind zudem sehr gut umgesetzt.
Der Ton ist stets klar und detailliert, setzt allerdings an mindestens einer Stelle gleich zu Beginn teilweise aus – glücklicherweise handelt es sich dabei aber nur um Schmerzensschreie und somit schadet es dem Verständnis des Films nicht (dennoch wird es eine korrigierte Neuauflage geben – wer mit dem Kauf bis nach dem 26. Februar wartet, wird das Problem wohl nicht erfahren). Die Synchronisation ist in Sachen Übersetzung sehr gut gelungen, leider fehlt den deutschen Stimmen ein wenig der im Original enthaltenen Intensität.
Sehr interessant wäre eine Hintergrundgeschichte zur Story gewesen, doch leider gibt es im Bonusmaterial der Blu-ray nur einige Trailer. Wirklich schade, denn hier hätte ein „Behind the Scenes“ mal richtig Sinn gemacht. Da das Fehlen des Bonusmaterials die Gesamtwertung des Films natürlich massiv nach unten gezogen und den sehr guten Eindruck stark und vor allem fälschlich verzerrt hätte, klammern wir diesen Aspekt bei der Beurteilung ausnahmsweise aus.

Fazit

Machen wir’s kurz: Was für ein genialer Film! Wer Zeitreisen, Science-Fiction oder einfach gute Filme mag, muss sich Predestination ansehen. Auch wenn die Blu-ray fast komplett ohne Bonusmaterial auskommen muss, ist der Film allein Grund genug, sich diesen Titel ins Regal zu stellen und gerne auch mehrfach anzusehen.

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Gesamt

81 %