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No Turning Back

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Story/Handlung von No Turning Back

Ivan Locke (Tom Hardy) geht von einer Großbaustelle zu seinem BMW und fährt los. Begleitet von den verschwommenen Lichtern der nächtlichen und verregneten Großstadt biegt er an einer Ampel urplötzlich rechts ab Richtung Autobahn. Währenddessen tätigt er seinen ersten Anruf, dem viele weiter folgen sollen. Schnell erfährt das Publikum, dass er diese Fahrt ungeplant antritt und zunächst einmal muss er diverse Leute darüber informieren, dass er diverse Verabredungen und Termine nicht einhalten kann. Im Laufe der Gespräche zeichnet sich ein Bild der Situation. Locke ist Bauleiter der riesigen Baustelle aus der Anfangsszene und an diesem Tag einfach nicht er selbst – keiner seiner Gesprächspartner kann glauben, dass er tatsächlich mit Ivan Locke spricht. Am nächsten Tag steht ein wichtiger Bauabschnitt an, den er notgedrungen einem Kollegen übertragen muss. Das gefällt seinem Chef Gareth (im Telefonbuch als „Bastard“ gespeichert) aber gar nicht. Ebenso wenig begeistert ist seine Familie, mit der er ein wichtiges Fußballspiel ansehen wollte. Doch all diese Dinge stellt Locke zurück, um nach London zur ersten Anruferin zu fahren: Bethan, die gerade im Krankenhaus ist, um das einer kurzen Affäre entsprungene, gemeinsame Kind zur Welt zu bringen.

Filmkritik zu No Turning Back

13. November 2019 | von

Es ist schwer vorstellbar, dass ein Film spannend ist, der lediglich die Autofahrt eines Mannes darstellt. Doch am Steuer des Autos sitzt nicht irgendwer, sondern Tom Hardy. Ein Schauspieler, der bereits in jungen Jahren Gary Oldman zu seinem Vorbild auserkoren hat und mit diesem Ziel zu einem der wohl besten Charakterdarsteller seiner Generation wurde. Mittlerweile dient allein sein Name auf dem Filmplakat oder Cover als Gütesiegel. Seine Darstellung von schwierigen oder labilen Figuren wie in „Bronson“ oder „Warrior“ ist unvergleichlich, seine Blockbuster-Auftritte in „Inception“ und als Batmans Gegenspieler Bane in „The Dark Knight Rises“ haben ihn weltbekannt gemacht. Und so zieht Hardy auch in „No Turning Back“ das Publikum sofort in seinen Bann, während er als Ivan Locke in einem BMW über die nächtliche Autobahn M6 durch England fährt und Telefonate oder an seinen verstorbenen Vater gerichtete Monologe führt. Da Tom Hardy ein so verdammt guter Schauspieler ist, vermittelt er tatsächlich den Eindruck, nicht nur eine Rolle zu spielen. Man erkennt Tom Hardy, doch man sieht Ivan Locke und wie sich die Situation auf den eigentlich sehr gefassten, introvertierten Mann auswirkt. Durch die in den grandios geschriebenen Dialogen nur stückweise gelieferten Hintergrundinformationen bleibt man zwangsläufig am Ball und achtet auf jedes Wort, das er spricht. Schließlich wird schnell klar, dass Locke mit der Fahrt und seiner damit verbundenen Abwesenheit am nächsten Tag sein gesamtes bisheriges Leben aufs Spiel setzt – und das für eine völlig ungewisse Zukunft.

Hinweise für diese Entscheidung liefert die eigene Vergangenheit. Ivans Vater hat ihn als Kind im Stich gelassen. Und nun sieht Ivan sich in derselben Situation und damit die Möglichkeit, den Namen Locke reinzuwaschen – indem er seinem unehelichen Kind den Vater gibt, den er nie hatte. Allerdings ist er ein eher schweigsamer Mensch und so fehlen seinen Gesprächspartnern – selbst seiner Ehefrau – wichtige Informationen, um die Gesamtsituation aus Ivans Sicht nachvollziehen zu können. Folglich reagieren die Menschen am anderen Ende der Leitung – verständlicherweise – abwechselnd geschockt, verärgert, ängstlich oder frustriert. Auch Locke reagiert auf jeden seiner Gesprächspartner anders, bleibt trotz immer wiederkehrender Verzweiflung währenddessen weitgehend gefasst und versucht mit aller Macht, all die Probleme gleichzeitig zu lösen. Man gewinnt den Eindruck, dass er etwas naiv an diese Aufgabe herangeht. Doch so einfach ist das nicht…

Wer nach den ersten Minuten von No Turning Black glaubt, die Story des Films schon aus anderen Filmen zu kennen: Nein. Zumindest nicht in dieser Form. Der Großteil des Films zeigt tatsächlich nur Tom Hardy am Steuer seines Wagens. Für Abwechslung sorgen fast ausschließlich kurze Schnitte auf die Animation des Navigationssystems, von außen auf das Auto auf den Verkehr aus der Sicht von Ivan Locke. Da die Kamera jedoch häufig von außen ins Auto hineinblickt, fängt sie in den Spiegelungen der Scheiben die nächtliche Umgebung ein und sorgt in Kombination mit der perfekt zur Handlung passenden Filmmusik für die ganz besondere Atmosphäre. Die unterdrückten Fahrgeräusche wirken sehr realistisch, während die Dialoge als Herzstück des Films den Mittelpunkt bilden. Locke und seine über die Freisprechanlage zu hörenden Gesprächspartner sind sehr gut verständlich und machen es nicht ansatzweise anstrengend, den Telefonaten zu folgen. Trotz der wirklich gut gelungenen Synchronisation lohnt sich die Original-Tonspur – sofern man des Englischen mächtig ist.
Ein Audiokommentar ist ebenfalls Bestandteil der Blu-ray, ebenso wie ein Trailer und ein leider nur fünfminütiges Making-Of. Diese magere Ausstattung schmälert die Gesamtwertung der Blu-ray leider unnötig.

Fazit

No Turning Back verzichtet auf den ersten Blick auf vieles, was andere Kinofilme ausmacht. Kein großes Starensemble, kein Showdown, keine Comedy. Doch der Film hat eine mitreißende Story, die komplex und schlicht zugleich fast jeden Blockbuster mühelos in den Schatten stellt. Und falls noch Zweifel bestanden: Wer Tom Hardy als Hauptdarsteller besetzt, braucht keine anderen Schauspieler mehr.

Watch|outs

Gesamt

79 %

Cast

Tom Hardy