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Manhattan Nocturne

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Story/Handlung von Manhattan Nocturne

Das nächtliche New York übt auf Porter Wren (Adrien Brody) eine anziehende Faszination aus. Der Skandalreporter taucht immer wieder in die Abgründe der Stadt ein, um die Sensationslust der immer weniger werdenden Zeitungsleser zu befriedigen und letztlich seinen Job zu sichern. Schließlich ist Wren abseits seiner wenig zimperlichen Streifzüge auch liebevoller Familienvater – was seine Begegnung mit der attraktiven Caroline Crowley (Yvonne Strahovski) gleich doppelt kompliziert macht. Denn einerseits fühlt sich Wren sofort zu der mysteriösen Blondine hingezogen, andererseits beauftragt diese ihn auch damit, den bislang ungelösten Mord an ihrem Ehemann Simon Crowley (Campbell Scott Michael) zu untersuchen.

Simon war ein Filmemacher und wie Wren des Öfteren nachts unterwegs, um Aufnahmen zu machen und zu sammeln. Doch von einem Ausflug kehrte er nicht mehr zurück, stattdessen wurde seine Leiche in einem kurz vor dem Abriss stehenden Gebäude gefunden. Während Wren die Polizeiberichte studiert und weitere Hinweise – vor allem in Form von Speicherkarten – sammelt, beginnt er auch trotz seiner Familie eine Affäre mit Caroline. Doch nicht nur deshalb wird die Geschichte um Crowleys Tod immer verworrener, denn plötzlich spielt auch der Medientycoon Hobbs (Steven Berkoff), der kurz zuvor die Zeitung Wrens übernommen hat, eine wichtige Rolle in seinen Nachforschungen. Und je mehr Licht Wren ins tiefschwarze Dunkel bringt, umso gefährlicher wird es für ihn und seine Familie…

Filmkritik zu Manhattan Nocturne

Dunkle Geheimnisse 3. November 2016 | von

Der Journalist Porter Wren sucht tagein tagaus nach der nächsten großen Story – Tragödien und Skandale bevorzugt. Als er mit Recherchen in einem ungelösten Mordfall beauftragt wird, gerät sein Leben zunächst ziemlich aus den Fugen – und schließlich in Gefahr…

Manhattan Nocturne ist eine Verfilmung des vor zwanzig Jahren veröffentlichten, gleichnamigen Romans von Colin Harrison. Und dass dieser sich durch eine sehr komplexe Handlung auszeichnet, macht die im Stile des Film Noir gehaltene Adaption zu einer ziemlich anspruchsvollen Aufgabe. Trotz einer Spielzeit von fast zwei Stunden und insgesamt spannender Erzählweise gelingt es Regisseur Brian DeCubellis deshalb wohl auch mangels Erfahrung nicht so richtig, die Story bis ins letzte Detail stimmig auf die Leinwand zu übertragen. Der bislang nur bei TV-Produktionen und Kurzfilmen auf dem Regiestuhl aktive Amerikaner scheint mit den immer tiefergehenden Nachforschungen seiner Hauptfigur bei seinem Langfilmdebüt ein wenig den Überblick zu verlieren, was sich in etwas zufällig wirkenden Twists und nicht so ganz zum Gesamtbild passenden Fokussierungen äußert.

Mitfiebern auch ohne Action

Hauptdarsteller Adrien Brody lässt sich davon aber nicht anstecken und spielt seine Rolle von Anfang bis Ende souverän, nicht umsonst ist der vielseitige Schauspieler („Dritte Person“) bereits mit diversen hochkarätigen Filmpreisen bedacht beziehungsweise dafür nominiert worden. Ihm ist es auch zu verdanken, dass auf den ersten Blick eher ruhige Filme durch seine charismatische Charakterdarstellung jederzeit Spannung vermitteln können, ohne auf actionreiche Szenen zurückgreifen zu müssen. Auch in Manhattan Nocturne verkörpert er den vielschichtigen Porter Wren mit seiner ihm eigenen leicht trübsinnigen Leichtigkeit, an der es – auch wenn Geschmäcker verschieden sind – eigentlich nie etwas auszusetzen gibt. Und bisweilen verliert Wren auch mal von Brody glaubwürdig umgesetzt die Beherrschung. Zudem unterstützt der teilweise verwirrende Plot auch das Mitfiebern des Publikums mit dem Protagonisten, da dieser sich letztlich ebenfalls durch ein verwirrendes Labyrinth aus Hinweisen und falschen Fährten kämpfen muss.
An seiner Seite muss Yvonne Strahovski eine deutlich unnahbarer angelegte Figur verkörpern und bekommt gar nicht erst so viel Freiraum zur Entfaltung. Für die zunächst ziemlich deutlich als femme fatale angelegte Caroline Crowley ist Strahovski natürlich allein aufgrund ihres Äußeren eine ideale Besetzung, ihr gelingt es allerdings auch vorzüglich, eine gleichermaßen faszinierende und mysteriöse Aura auszustrahlen – für Fans der TV-Serie „Dexter“ wird das keine Überraschung sein.

Im Gegensatz zu Porter Wrens unübersichtlichen Nachforschungen zeigt sich Manhattan Nocturne optisch extrem klar und deutlich. Das Bild überzeugt mit konstant guten Kontrasten und Farben, die zwar häufig leicht entsättigt, aber immer natürlich wirken. Klanglich gibt es neben den immer gut verständlichen Dialogen zwar – einhergehend mit der Story – wenig handfeste Action, die Surroundkulisse der DTS-HD-Master-Audio-Spur  (verfügbar in Deutsch und Englisch) kann allerdings in Sachen Platzierung und Atmosphäre durchaus punkten. Das Bonusmaterial entspricht mit rund 27 Minuten Laufzeit, verteilt auf entfallene Szenen (mit 18 Minuten der größte Anteil), ein Featurette und ein Behind-the-Scenes, der erwartbaren Ausstattung – selbst heutzutage immer noch keine Selbstverständlichkeit.

Fazit

Ein scheinbar unlösbarer Mordfall, eine betörende Frau und ein labiler Reporter – fertig ist der gelungene Thriller. Die technische Qualität und das Hauptdarsteller-Paar Brody/Strahovski verpassen der geheimnis- und wendungsreichen Geschichte zudem das gewisse Etwas. Allerdings will Manhattan Nocturne als Romanverfilmung manchmal doch etwas zu viel und verliert dadurch in der zweiten Hälfte an Struktur – aber nicht an Spannung.

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