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Lommbock

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  • Universum Film
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  • Wild Bunch Germany
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Story/Handlung von Lommbock

Seine Heimatstadt Würzburg hat Stefan (Lucas Gregorowicz) zwar wie geplant verlassen, allerdings hat es ihn letztendlich nach Dubai verschlagen. Seinen Traum von der eigenen Strandbar verfolgt er aber weiterhin und steht nun kurz davor, diesen Plan endgültig in die Tat umzusetzen. Nicht zuletzt dank seiner taffen Verlobten Yasemin (Melanie Winiger), die als selbstbewusste Geschäftsfrau deutlich Einfluss auf Stefan genommen hat. Aus dem einstigen Kiffer ist ein pflichtbewusster Anzugträger geworden, der deshalb sogar die für die Hochzeit mit Yasemin benötigte Geburtsurkunde in der Heimat abholen will. Ohne große Umwege versteht sich, Flughafen, Rathaus, Flughafen und zurück. Doch so einfach wird das nicht, denn kaum ist Stefan aus dem Flugzeug gestiegen, wartet auch schon sein alter Kumpel Kai (Moritz Bleibtreu) samt einer der berühmten Pizza Gourmet auf ihn.

Mit dieser Kreation hatten die beiden ihren Pizza-Lieferservice „Lammbock“ vor rund fünfzehn Jahren vergleichsweise erfolgreich betrieben, dem kleinen Cannabis-Paket unter der mittleren Salami-Scheibe sei Dank. Inzwischen ist aus dem Pizzadienst allerdings ein Asia-Express geworden, mit dem leicht angepassten Namen Lommbock in Anlehnung an die indonesische Insel Lombok. So richtig rund läuft der Laden aber nicht, obwohl Kai der Spezialzutat weiterhin nicht abgeneigt ist. Was allerdings auch nachzuvollziehen ist, schließlich muss er sich mit einem pubertären Stiefsohn Jonathan (Louis Hofmann) herumärgern. Und als würde dieses Wiedersehen Stefan nicht schon lange genug aufhalten, trifft er auch noch auf seine Ex-Freundin Jenny (Alexandra Neldel), sodass ihn die Vergangenheit langsam wieder in ihren Bann zieht – mit allerlei chaotischen Nebenwirkungen…

Filmkritik zu Lommbock

Immer noch ganz die Alten 29. September 2017 | von

Lange mussten Fans von „Lammbock“ auf eine Fortsetzung der in der Zwischenzeit zum Kultfilm avancierten Komödie warten, allen voran Autor und Regisseur Christian Zübert sträubte sich aber gegen einen zweiten Teil. Seine Bedenken wären auch durchaus nachvollziehbar (und werden in Lommbock auch immer wieder den Figuren in den Mund gelegt), wäre der zweite Teil nicht so außerordentlich gut gelungen. Zübert hat dabei vor allem in zwei Punkten die richtige Entscheidung getroffen: er verändert die Hauptfiguren nur so weit wie nötig und knüpft stilistisch wie inhaltlich so gut wie möglich an das Original an.

Das tun auch die Darsteller, die laut Making-Of innerhalb kürzester Zeit nostalgische Gefühle entwickelten und die gute Chemie aus „Lammbock“ aufleben ließen. Besonders das Hauptdarsteller-Duo bestehend aus Moritz Bleibtreu („Das kalte Herz“) und Lucas Gregorowicz („Schrotten!“, „Sommerfest“) steht dabei natürlich im Fokus und schafft es tatsächlich, ihren Rollen die wesentlichen Charakterzüge zu bewahren, ohne sie in einer deutlich veränderten Umwelt der Lächerlichkeit preiszugeben. In der einen oder anderen Szene wandeln sie dabei zwar auf einem sehr schmalen Grat, liefern aber selbst dabei eine absolut souveräne Vorstellung ab, die mit Sicherheit auch die Zuschauer überzeugt, die von „Lammbock“ gar nichts mitbekommen haben. Dazu kommen hervorragend besetzte Nebenrollen, die mit bekannten Original-Darstellern wie Alexandra Neldel („Einfach Rosa“), Wotan Wilke Möhring („Happy Burnout“) oder Antoine Monot Jr. („Stadtlandliebe“) und perfekten Ergänzungen wie Louis Hofmann („You Are Wanted“) oder Dar Salim („Macho Man“) für durchweg hohe Qualität sorgen.

Alles richtig gemacht

Logischerweise ist auch Lommbock als Komödie trotzdem mit einer genretypisch recht überschaubaren Story ausgestattet, die aber positiv als in sich geschlossen auffällt. Auf platte Gags nur um ihrer selbst Willen wird verzichtet und die Handlung kann zudem mit vielen Anspielungen und Querverweisen auf „Lammbock“ aufwarten. Zum Ende hin traut sich Zübert sogar, einen dritten Teil anzudeuten, wenngleich dies gepaart mit den ständigen Anspielungen auf Fortsetzungen sowohl im Film als auch im Bonusmaterial auch sehr selbstironisch gemeint sein könnte. Das gilt auch für den Umgang der beiden Hauptdarsteller mit dem eigenen fortgeschrittenen Alter, was immerhin bedeuten würde, dass der Abschluss einer Trilogie nicht mehr eineinhalb Jahrzehnte auf sich warten lassen dürfte…

Diese lange Zeitspanne zwischen den beiden Kapiteln äußert sich bei Lommbock allerdings auch sehr positiv, nämlich in Hinblick auf die handwerklichen Aspekte. In fünfzehn Jahren haben alle Beteiligten eine Menge Erfahrung gesammelt, die sich sowohl in der Größenordnung der gesamten Produktion (mit Drehorten unter anderem in Marokko) niederschlägt als auch ganz simpel in der Qualität von Bild und Ton. Der große Fortschritt der letzten Jahre lässt „Lammbock“ fast schon antiquiert wirken und zeigt die durch dessen Erfolg gestiegenen Möglichkeiten für den zweiten Teil. Das Bild von Lommbock wird von meist warmen Filtern bestimmt, die mit leichtem Filmkorn für Atmosphäre sorgen, ohne zu Lasten von Schärfe und Detailgenauigkeit zu gehen. Auch die visuellen Special Effects fallen hier nicht als solche auf – so muss es sein.
Die DTS-HD 5.1 MA-Tonspur wird meist nur am Rande gefordert, erledigt ihren Job aber grundsätzlich sehr souverän und in den von Filmmusik geprägten Szenen mit dem nötigen Nachdruck. Die im Mittelpunkt stehenden Dialoge sind stets sauber und gut verständlich und auch das umfangreiche Bonusmaterial lässt keine Wünsche offen.

Fazit

Die langersehnte Fortsetzung von „Lammbock“ erfüllt alle Erwartungen und auch für sich gesehen ist Lommbock eine sehr stark gemachte Komödie. Das mit großem Spaß aufspielende Hauptdarsteller-Duo Bleibtreu/Gregorowicz sorgt selbst bei den paar flachen Gags für ein gewisses Maß an Niveau und veredelt den insgesamt cleveren Humor mit Leichtigkeit zu großer Unterhaltung und genau der Art von Kult-Potenzial, die schon der erste Teil so eindrucksvoll präsentierte.