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Legend

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Story/Handlung von Legend

Auch bei Kriminellen derselben „Branche“ gibt es Unterschiede. Reggie Kray (Tom Hardy) ist Geschäftsmann, sein Bruder Ronnie (ebenfalls Tom Hardy) hingegen sieht sich als Gangster. Ob das Grund oder Folge seiner psychischen Labilität ist, bleibt dahin gestellt. Jedenfalls hat er einen Gefängnisaufenthalt hinter sich und ist seit seiner Entlassung in einer Psychiatrie untergebracht. Zweifelsohne der richtige Ort für ihn, doch Reggie sieht das anders und möchte seinen Bruder nach Hause holen. Das gelingt ihm mit den bewährten Methoden: Einschüchterung, Erpressung, Bestechung – erlaubt ist, was funktioniert. Und kaum ist Ron wieder ein freier Mann, funktioniert so ziemlich alles, was die beiden Brüder gemeinsam mit ihren Vertrauten anpacken. Selbst die ständige Überwachung durch Scotland Yard in Person des selbst aus dem East End stammenden Leonard „Nipper“ Read (Christopher Eccleston) behindert die Krays nicht beim Aufbau eines florierenden Imperiums. Tatsächlich hilft die Polizei ihnen sogar unfreiwillig, indem sie die einzigen ernsthaften Konkurrenten aus dem Verkehr zieht.

Doch als ein vorübergehend ausgesetzter Strafbefehl gegen Reggie doch noch vollzogen wird, muss der Besonnene der beiden Krays für einige Monate in den Knast. Ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt, denn einerseits hat Reggie gerade in der wunderhübschen Frances (Emily Browning) seine große Liebe gefunden, andererseits übernimmt der von der geschäftlich orientierten Vorgehensweise gelangweilte Ron zunehmend die Kontrolle über das „Familienunternehmen“. Reggies rechte Hand Albert Donoghue (Paul Anderson) und der „Finanzberater“ Leslie Payne (David Thewlis) schaffen es nicht, Ronnie und dessen Unterstützer „Mad“ Teddy Smith (Taron Egerton) von allerlei Dummheiten abzuhalten. Innerhalb weniger Monate ist die Existenz der beiden Brüder massiv gefährdet und der frisch aus dem Strafvollzug entlassene Reggie hat alle Hände voll zu tun, die Dinge wieder gerade zu rücken. Doch zugleich ist die Beziehung zu Frances nicht mehr so sorgenfrei wie zu Beginn und der immer mehr zur Gewalt neigende Ron verliert langsam aber sicher die Kontrolle über sich selbst…

Filmkritik zu Legend

Zwei wie Pech und Schwefel 12. Mai 2016 | von

Der Titel Legend weckt zunächst einmal glorifizierende Assoziationen und scheint ein Loblied auf die Kray-Brüder zu sein. Deren Geschichte erinnert mitunter sehr stark an das unter dem Titel „Black Mass“ verfilmte Leben des (im Gegensatz zu den Krays noch nicht verstorbenen) fast gleichaltrigen James Bulger. Regisseur Brian Helgeland hatte allerdings eine andere Intention, wie er im Bonusmaterial der Blu-ray erklärt. Ihm ging es vor allem darum, den Zerfall des Kray-Imperiums darzustellen und damit die negativen Folgen ihrer skrupellosen Geschäfte aufzuzeigen. Zudem empfand er es als schwierig, die zahlreichen Geschichten, die sich im East End noch immer um Reggie und Ronnie ranken, verlässlich zu belegen – viele Erzählungen sind im Laufe der Jahre womöglich selbst zu Legenden ausgeschmückt worden. So orientiert sich Helgeland auch nur lose an den tatsächlichen Ereignissen im Leben der Krays und legt den Fokus auf ausgewählte und teilweise ausgeschmückte Handlungsstränge, wie etwa die ausführlich dargestellte Beziehung zwischen Reggie und Frances. Allerdings werden auch gesicherte Erkenntnisse nicht hundertprozentig übernommen, wodurch Legend eben auch kein Biopic ist.

Im Mittelpunkt von Legend steht so gut wie immer Hauptdarsteller Tom Hardy, der gleich doppelt zu sehen ist und beide Kray-Brüder verkörpert. Keine ursprünglich geplante Besetzung, denn Hardy war von Helgeland zunächst nur als Darsteller von Reggie eingeplant. Hardy selbst war von der Rolle des Ronnie mehr angetan, da er hier ein größeres Potenzial sah. Schließlich einigten sich Hauptdarsteller und Regisseur darauf, dass Hardy beide Rollen übernehmen sollte, angeblich übernahm Hardy dabei mit den Worten „You give me Ron and I’ll give you Reggie“ die Initiative – ein Satz, der sehr an die Kray-Zitate aus dem Film selbst erinnert. Und damit ist schon vorweggenommen, wie gut Hardy die Rollen der beiden Gangster zu Gesicht stehen. Beeindruckend ist dabei aber vor allem, dass man nur selten merkt, dass derselbe Schauspieler hinter beiden Figuren steckt. Insbesondere der psychisch kranke Ronnie (der trotzdem für einige sehr amüsante Szenen gut ist) hat so gar nichts mehr vom „echten“ Hardy – dafür erkennt man in Haltung und Gang des gewaltbereiten Krays ab und zu vertraute Details aus Hardys früheren Filmen wie „Warrior“, „The Dark Knight Rises“ oder „Bronson“. Reggie hingegen wirkt völlig anders als sein Bruder, was sich insbesondere in Dialogen der beiden Figuren verstärkt bemerkbar macht und dafür sorgt, dass man hier zwei Schauspieler vermutet – von denen der Reggie-Darsteller irgendwie doch noch sympathischer rüberkommt.

Hervorragende Unterstützung für Hardy

Ähnlich ging es laut eigener Aussage auch Emily Browning, die Reggies große Liebe Frances spielt. In den Szenen mit Ron fühlte sie sich grundsätzlicher unwohler, da Hardy hier unberechenbarer und gelinde gesagt asozialer auftritt. Das zeigt sich auch an der Darbietung Brownings, die vom süßen Mädchen von Nebenan zunächst zur selbstbewussten jungen Frau wird, bis Reggie sie zum ersten Mal schwer enttäuscht. Dass Browning dabei auch ohne viel Erfahrung in Großproduktionen mit einem Großteil des Casts mithalten kann, spricht für die Australierin. Auch der fast gleichaltrige Waliser Taron Egerton kann trotz einer recht kleinen Nebenrolle als „Mad Teddy“ begeistern, indem er den zwischen tollpatschigem und arrogantem Auftreten schwankenden engsten Vertrauten Ronnies passend zu Hardys Darstellung rüberbringt und wie Browning auch die unterschiedlichen Seiten von Hardys Darbietung je nach Rolle unterstützt – „supporting actor“ ist aufgrund dessen wesentlich passender als der deutsche Begriff „Nebenrolle“.

Die unterschiedlichen Charaktere der Kray-Brüder werden auch durch das Menü aufgegriffen, in dem man sich zwischen Ron und Reggie entscheiden kann und damit ein auf die Gemüter der beiden Protagonisten zugeschnittenes Design wählt. Die Inhalte sind natürlich dieselben, hier gibt es neben dem Hauptfilm einige Featurettes mit Zeitzeugen der echten Krays sowie Interviews mit diversen Schauspielern, wobei Tom Hardy allerdings fehlt – sehr schade, weil natürlich insbesondere dessen Herangehensweise an die Dreharbeiten interessant gewesen wäre. So bleibt nur ein kurzer Einblick während eines sehr kurzen Interviews bei der Premiere des Films, die ebenfalls im Bonusmaterial aufbereitet wird.
Nichts auszusetzen hingegen ist an der technischen Qualität der Blu-ray, Bild und Ton sind über alle Zweifel erhaben. Details wie zum Beispiel durchs Bild schwebender Zigarettenqualm kommen in der ruhigen Grundkomposition mit eher warmen Filtern gut zur Geltung. Der Ton wird zwar nur selten richtig gefordert, zeigt bei Bedarf aber eine Menge Potenzial – angesichts der Dolby-Atmos-Spuren in Deutsch und Englisch allerdings auch wenig überraschend. Besonders die räumliche Darstellung in den Nachtclubs und Bars kommt dabei sehr gut zur Geltung und trägt entscheidend zur gelungenen und mitreißenden Atmosphäre von Legend bei.

Fazit

Mit der doppelten Hauptrolle in Legend wächst Tom Hardy trotz seiner bisher ohnehin schon grandiosen Leistungen noch einmal über sich hinaus. Die unterschiedliche Darstellung der beiden Kray-Brüder weckt den Eindruck, es hier tatsächlich mit zwei Schauspielern zu tun zu haben, was nicht zuletzt auch an den starken Leistungen der Nebendarsteller liegt. Ob Helgeland sein Ziel, die Machenschaften der Krays nicht zu glorifizieren, mit Legend wirklich erreicht, bleibt jedem selbst zum Urteil überlassen. Zweifellos ist ihm damit aber ein spannendes Drama gelungen, das von der ersten bis zur letzten Minuten zu überzeugen weiß.

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Gesamt

78 %