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Kill the Messenger

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  • Universal Pictures
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Story/Handlung von Kill the Messenger

Journalist Gary Webb (Jeremy Renner) wird als investigativer Reporter zur relativ kleinen Zeitung „San Jose Mercury News“ geholt, um deren Auflage zu steigern. Dafür sucht er den Kontakt zu mutmaßlichen Drogendealern, deren Besitz beschlagnahmt wurde. Er ahnt nicht, welche Lawine er dadurch auslöst. In der Folge wird Webb von einer Leserin angerufen, deren Lebensgefährte ebenfalls verhafteter Drogendealer ist. Webb wird allerdings hellhörig, als die Anruferin erwähnt, dass die US-Regierung in diese Geschäfte verwickelt ist und sie das mit Dokumenten belegen könne. Webb nimmt die Recherchen auf und stößt auf eine Story ungeahnten Ausmaßes. Angeblich haben die US-Geheimdienste bereits in den 1980ern mit mittelamerikanischen Drogenhändlern kooperiert um auf diesem Wege die Contra-Rebellen in Nicaragua zu unterstützen. Webb geht den Hinweisen nach und deckt Schritt für Schritt einen riesigen Skandal auf. Seine Artikel finden vor allem in den von Drogen und Elend gezeichneten Vierteln von Los Angeles großen Anklang, FBI und CIA hingegen stehen Webb logischerweise negativ gegenüber. Dem kurzen Höhenflug Webbs folgt eine ebenso heftige Schmutzkampagne, die seine Integrität in Frage stellen und seine Karriere zerstören soll. Und je entschlossener Webb sein Ziel verfolgt, desto heftiger werden die Attacken seiner scheinbar übermächtigen Gegner…

Filmkritik zu Kill the Messenger

Dunkle Geheimnisse der Geheimdienste 21. Januar 2016 | von

Was man sich beim Ansehen von Kill the Messenger stets vor Augen halten sollte, ist die Tatsache, dass der Thriller auf einer wahren Begebenheit basiert und Gary Webb keine fiktive Figur ist. Allerdings weicht der Film (wie in Hollywood meist üblich) in einigen Details ab und zeigt vor allem nicht die ganze Geschichte um den Investigativjournalisten. Der Einstieg ins Thema Drogenschmuggel findet früh statt und so nimmt Kill the Messenger gleich Fahrt auf. Der Spannungsbogen gönnt sich allerdings auch ein paar Pausen, denn leider wirkt sich die Schmutzkampagne gegen Webb mit dem Ziel der Ablenkung (ein beliebtes Mittel, wenn Leute mit Macht mal wieder richtig Mist gebaut haben) auch auf das Drehbuch aus – zeitweise dreht sich die Handlung nur noch um Webb und seine Familie und macht aus dem Thriller eher ein Drama. Schade eigentlich, denn eine so komplexe Geschichte in einen Film mit 112 Minuten Laufzeit zu pressen ist ohnehin schon schwierig, ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf Webbs Privatleben. So bleibt der Gedanke, dass storytechnisch nicht das komplette Potenzial ausgeschöpft wurde.

Bemerkenswert ist allerdings, wie Hauptdarsteller Jeremy Renner die Rolle des Journalisten ausfüllt. Bis dato war wohl die Verkörperung des Sergeant First Class William James in „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ seine stärkste Leistung, in Kill the Messenger erreicht Renner mindestens dasselbe Niveau. Dass er dafür keine Filmpreisnominierung erhält, hängt möglicherweise mit dem Thema des Films zusammen…
Mit Regisseur Michael Cuesta ist übrigens ein hier mittlerweile erfahrener Mann am Steuer: Auch die Serie „Homeland“, in der die US-Geheimdienste ebenfalls kritisch beäugt werden, wurde von ihm betreut und mitentwickelt. Unter seiner Führung versammeln sich neben Renner große Namen im Cast, darunter Andy Garcia, Ray Liotta, Paz Vega und Rosemarie DeWitt als Webbs Ehefrau Sue.

Durchdachtes Gesamtpaket

Technisch stimmt das Gesamtpaket bei Kill the Messenger, das Konzept ist definitiv durchdacht. Bild, Ton und Kostüme passen perfekt zum 90er-Jahre-Setting und vermitteln immer die passende Atmosphäre. Dabei wird aber bei aller beabsichtigten Authentizität nicht vergessen, dass sich das Publikum bereits zwanzig Jahre in der Zukunft befindet und entsprechende Ansprüche an die Bildqualität hat. So bleiben die Aufnahmen in Kill the Messenger trotz Filter scharf und detailliert, was einen den Film leicht genießen lässt.
Etwas schwach ist nur das Bonusmaterial ausgefallen, hier gibt es neben unveröffentlichten Szenen und dem Audiokommentar mit Cuesta nur kurze Featurettes über die Schauspieler, die Schauplätze des Films und die realen Hintergründe. Die hätten allerdings gerne auch länger ausfallen dürfen, insbesondere der Aspekt, dass die sehr späte Stellungnahme der Geheimdienste mit gutem Timing veröffentlicht wurden – nämlich als ein gewisser Herr Clinton in etwa denselben Fehler machte, der auch in der Kampagne gegen Webb eine wichtige Rolle spielt…

Fazit

Für Fans spannender Politthriller ist Kill the Messenger ein absoluter Tipp, trotz einiger Längen weiß der Film zu begeistern. Die Umsetzung der realen Story funktioniert nicht zuletzt dank des hochkarätigen Casts und einem herausragenden Jeremy Renner sehr gut und regt zum Nachdenken über gewisse Umstände an. Wer sich ernsthaft aufs Grübeln einlässt, sollte die Eindrücke des Films aber noch durch Buchlektüre ergänzen, um das Geschehen um Gary Webb umfänglich zu verstehen.

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Gesamt

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