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Familie zu vermieten

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Story/Handlung von Familie zu vermieten

Als Geschäftsmann ist Paul-André (Benoît Poelvoorde) reich geworden. Der berufliche Erfolg hat allerdings Opfer im Privatleben gefordert und so steht der Mittvierziger nun als einsamer Single da. Außer seinem Butler Léon (François Morel) hat er keine nennenswerten Kontakte, was es nicht gerade einfacher macht, endlich eine Familie zu gründen. Zumal Paul-André sich auch irgendwie nicht so sicher ist, ob ihm das Familienleben überhaupt liegen würde. Wie es der Zufall will, sieht Paul-André im Fernsehen einen Bericht über die alleinerziehende Mutter Violette (Virginie Efira), die beim Lebensmittel-Diebstahl ertappt wurde und sich sowohl resolut zur Wehr setzt als auch anschließend vor laufender Kamera ihr Motiv darlegt. Denn sie hat nicht nur zwei Kinder von unterschiedlichen Männern zu versorgen, sondern zusätzlich mit einem Schuldenberg zu kämpfen und droht zu allem Überfluss das Sorgerecht zu verlieren.

Violettes Probleme sind für Paul-André allerdings die Chance, auf die er gewartet hat. Und so schickt er seinen Butler zu ihr, um ihr die Zahlung all ihrer Schulden anzubieten, wenn sie Paul-André im Gegenzug am Familienleben teilhaben lässt. So richtig überzeugt ist Violette zwar nicht, allerdings sieht sie auch keine andere Möglichkeit, mit ihren Problemen fertigzuwerden. Also einigen sich beide auf ein vorübergehendes gemeinsames Familienleben – von den Gründen dafür sollen Violettes Kinder Auguste (Calixte Broisin-Doutaz) und Lucie (Pauline Serieys) allerdings nichts erfahren. Und das macht die ohnehin chaotische und skurrile Situation nicht einfacher…

Filmkritik zu Familie zu vermieten

Patchwork-Familie der anderen Art 7. August 2016 | von

Wer sich mit dem französischen und belgischen Film auskennt, wird sowohl Benoît Poelvoorde als auch Virginie Efira schon des Öfteren begegnet sein. Poelvoorde beispielsweise trat in „Die anonymen Romantiker“ und vor allem in der Komödie „Nichts zu verzollen“ als cholerischer belgischer Zöllner eindrucksvoll in Erscheinung und Efira überzeugte erst kürzlich wieder – ebenfalls als alleinerziehende und verschuldete Mutter zweier Kinder – in „Birnenkuchen mit Lavendel“. Trotz dieser Nähe zur Figur der Violette gelingt es Efira in Familie zu vermieten allerdings, die ähnliche Rolle neu zu interpretieren und dieses Mal den energischen Einfluss des Proletariats zu betonen. Auch Poelvoorde gibt seinem Paul-André eine sehr ruhige und zurückhaltende Grundstimmung, packt zwischendurch allerdings auch wieder den amüsant aufbrausenden Giftzwerg aus, um der nervösen und umständlichen Art seiner Figur eine weitere Facette zu verpassen.

Mit dieser Wandlungsfähigkeit der Figuren sorgt der französische Regisseur und Drehbuchautor Jean-Pierre Améris – der übrigens auch die Regie für „Die anonymen Romantiker“ führte – dafür, dass der grundlegende Gegensatz zwischen Arm und Reich in Familie zu vermieten trotz aller Deutlichkeit mit fortschreitender Handlung gar nicht so krass wirkt und sich die Annäherung der beiden Extreme auch wesentlich nachvollziehbarer gestaltet als in so vielen anderen Komödien dieser Art. Zwar kreiert Améris hier nichts absolut Neues und greift als Hilfsmittel auf das übliche Versteckspiel und die daraus resultierenden Stolperfallen zurück, zeigt aber das Potenzial des Genres und dass erfolgreiche Unterhaltung eben nicht allein von plakativen Unterschieden abhängt. Die häufige Situationskomik funktioniert auch unabhängig des Hintergrunds der Figuren sehr gut, was natürlich neben den Running Gags vor allem an der Erfahrung und dem Talent der beiden Hauptdarsteller liegt. Allerdings ist auch François Morel als Butler eine gute Wahl. Da ist es auch zu verschmerzen, dass man im Prinzip von Anfang an weiß, wo die doch recht übersichtliche Story hinführen wird – Spaß macht Familie zu vermieten trotzdem.

Beim Bild setzt Améris größtenteils auf satte Kontraste und kräftige Farben. Lediglich im Haus von Paul-André ist alles deutlich kühler und steril gehalten und das Korn kommt deutlicher durch. Die Schärfe ist allgemein gut, konzentriert sich allerdings vor allem auf den Vordergrund so dass Details der jeweiligen Kulisse öfter etwas untergehen. Ähnliches gilt für das Bonusmaterial, das lediglich ein knapp neunminütiges Making-Of und den Trailer beinhaltet.
Sehr gut weiß hingegen der Ton zu gefallen, der auf Deutsch und Französisch im 5.1-DTS-HD-Master vorliegt. Zwar ist er wie für eine Komödie üblich recht zurückhaltend, dafür aber umso detaillierter. Die Musik kommt dabei sehr gut zur Geltung und die akustische Kulisse tritt das ein oder andere Mal unerwartet kräftig auf.

Fazit

Spaß machen die Komödien aus Frankreich ja ohnehin fast immer und mit Benoît Poelvoorde und Virginie Efira bekommt man quasi ein zusätzliches Gütesiegel geliefert. So ist Familie zu vermieten wie zu erwarten ein unterhaltsamer und kurzweiliger Spaß, der die bekannte Ausgangssituation immer mal wieder auf neue Wege führt und sich dabei nicht komplett auf das Aufeinanderprallen von kompletten Gegensätzen verlassen muss, um zu gefallen.

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