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Fack Ju Göhte 3

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  • Constantin Film
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Story/Handlung von Fack Ju Göhte 3

Homo Faber, Kurvendiskussion, Asbest in den Toiletten. An der Goethe-Gesamtschule herrscht Stress: Zeki Müller (Elyas M’Barek) will Chantal (Jella Haase), Danger (Max von der Groeben), Zeynep (Gizem Emre), Burak (Aram Arami) und die anderen Schüler zum Abitur peitschen, doch die Chaosklasse ist wenig kooperativ. Denn die nette Dame vom Berufsinformationszentrum hat ihnen die Zukunftsaussichten ordentlich vermiest. Nun erreicht das Frustrationslevel ganz neue Höhen, was sich in maximaler Leistungsverweigerung und Schülereskalation äußert. Kann Herr Müller auch Motivation? Direktorin Gudrun Gerster (Katja Riemann) jedenfalls ist keine große Hilfe, seit sie mit dem Bildungsministerium im Clinch liegt und als letzte Gesamtschule des Bundeslandes mit Imageproblemen zu kämpfen hat, an denen die Problemschüler nicht ganz unschuldig sind. Wenigstens bekommt Zeki Müller Unterstützung von Neuzugang Biggi Enzberger (Sandra Hüller), die ihm bei einem Anti-Mobbing-Seminar aushilft.

Filmkritik zu Fack Ju Göhte 3

Chaotisch-amüsante Charakterentwicklung 21. März 2018 | von

Im Idealfall verhilft die Schulzeit jungen Menschen neben Bildung auch zur Entwicklung von Persönlichkeit, sozialen Kompetenzen und Reife. Damit das gelingt, müssen jedoch viele Faktoren zusammenkommen. Motivierte Schüler zum Beispiel und engagierte Lehrer. Dementsprechend schlecht stehen die Chancen für die 11b der Goethe-Gesamtschule, auch nur ansatzweise erfolgreich die Schullaufbahn zu beenden. Zeki Müller (Elyas M’Barek) ist zwar immer noch ihr Lehrer (dieses Mal immerhin nicht wegen einer Beutejagd), führt aber keine Beziehung mehr mit Lisi Schnabelstedt und hat ohne ihre Unterstützung große Schwierigkeiten, seine Chaos-Schüler aufs Abitur vorzubereiten. Vom Bankräuberdasein hat er sich inzwischen tatsächlich verabschiedet, unkonventionelle Methoden gibt sein Repertoire allerdings trotzdem noch her. Die fallen sogar wesentlich härter aus als noch zu Beginn seiner Laufbahn als Lehrer. Nicht zuletzt deshalb, weil seine Schüler inzwischen ebenfalls schwerere Geschütze auffahren und nicht mehr nur harmlose Streiche spielen – irgendwie nur konsequent, wenn sie ihrem Lehrer als Vorbild folgen. Allerdings nur in dieser Hinsicht, ansonsten teilen sie Zekis Einsatz für ihre Zukunft kaum.

Daran ist auch die Beraterin vom Berufsinformationszentrum nicht ganz unschuldig, die quasi der gesamten Klasse düstere Berufsaussichten prognostiziert. Für Danger (Max von der Groeben), Chantal (Jella Haase) und Co ist das zwar einerseits ein ziemlicher Schlag in die Magengrube, andererseits eine willkommene Ausrede, um dem Unterricht fernzubleiben. Das wird wiederum zum Problem für Zeki, weil inzwischen auch dem Bundesministerium für Bildung und Forschung der in allen Belangen mangelhafte Zustand der Schule aufgefallen ist – ein recht seltener Anflug von Realismus im „Fack Ju“-Kosmos. Die Schließung der Lehranstalt droht und nur ein positiver Leistungstest mit der elften Klasse kann das noch verhindern. Rektorin Gerster (Katja Riemann) setzt Zeki daraufhin unter Druck, denn wenn er es nicht schafft, die benötigten Ergebnisse zu liefern, erfährt die Polizei die Wahrheit über seine Vergangenheit. Also setzt Zeki unterstützt von der neuen und ihm sehr ähnlichen Kollegin Biggi (Sandra Hüller) alles daran, dass seine Schüler irgendwie das Abi schaffen – ohne Rücksicht auf Verluste.

Alte Bekannte

Fast alle bekannten Gesichter der „Fack Ju“-Reihe sind im dritten Teil sind wieder zu sehen, auch die knallbunte und poppige Atmosphäre der Vorgänger erstrahlt erneut in vollem Glanz. Vulgärsprache ist wie gehabt wesentlicher Bestandteil der Dialoge und mit schöner Regelmäßigkeit gehen einzelne Kommentare oder ganze Szenen auch mal unter die Gürtellinie. Fast könnte man meinen, dass alles beim Alten bleibt, doch es gibt tatsächlich wesentliche Unterschiede zu den Vorgängern. Plötzlich schimmert bei einigen Protagonisten so etwas wie Verantwortungsbewusstsein durch und man kann guten Gewissens von einer Charakterwandlung sprechen. Allen voran betrifft das natürlich Zeki Müller, der sich vom ewig genervten Pseudo-Lehrer verabschiedet und auf einmal pädagogische Grundlagen und strukturierte Unterrichtsvorbereitung für sich entdeckt. Das verändert die Dynamik zwischen ihm und seinen Schülern teilweise deutlich und wurde deshalb auch schon mehr oder weniger präzise kritisiert. Teilweise berechtigt, wie man am etwas bemüht wirkenden Themenkomplex Mobbing sieht, aber man sollte Fack Ju Göhte 3 auch nicht einfach stumpf eins zu eins mit seinen Vorgängern und insbesondere dem Auftakt der Trilogie vergleichen.

Der Wandel der Hauptfiguren in Fack Ju Göhte 3 ist notwendig, um der Fortsetzung überhaupt eine Daseinsberechtigung zu geben. Außerdem ist es nicht so, dass Bora Dagtekin plötzlich auf die bewährten Hauptzutaten der „Fack Ju“-Reihe verzichten würde. Ganz im Gegenteil, die Grenzen des Humors werden noch mutiger ausgelotet. Ohne die überkorrekte Lisi Schnabelstedt und mit der extrovertierten und resoluten Biggi Enzberger bieten sich dafür ja auch plötzlich ganz neue Möglichkeiten. Dass Biggi dabei überhaupt nicht als Ersatz rüberkommt, ist vor allem Darstellerin Sandra Hüller („Toni Erdmann“, „Der Tatortreiniger“) zu verdanken, die sich als Neuzugang sofort ohne Schwierigkeiten ins eingespielte Ensemble integriert. Aus diesem stechen Elyas M’Barek und Jella Haase inzwischen nicht mehr so extrem hervor wie früher, da neben Max von der Groeben vor allem Gizem Emre als Zeynep und Aram Arami als Burak mehr „Spielanteile“ bekommen. Das gilt auch für das insgesamt sehr umfangreiche Bonusmaterial der Blu-ray, das neben Making-Of, zusätzlichen Szenen, Outtakes und einem Rückblick auf die Trilogie Interviews mit allen Darstellern der größeren Rollen enthält. Dass es dabei gen Ende auch mal etwas sentimental wird, passt zwar nicht ganz zum ruppigen Ton der „Fack Ju Göhte“-Reihe, aber irgendwann erwischt es halt jeden …

Fazit

Aus dem Überraschungserfolgt von 2013 ist eine vollständige Trilogie geworden. Fack Ju Göhte 3 knüpft nahtlos an die vorangegangenen Kapitel und die bewährten Stilmittel an, treibt sie aber zugleich auch auf die Spitze und wirkt trotzdem erwachsener. Bora Dagtekin lässt seine Figuren reifen, ohne dabei auf Vulgärsprache oder Humor der härteren Gangart zu verzichten. Für Fans der Trilogie ohnehin ein Muss und für sich betrachtet eine größtenteils kurzweilige Komödie, die unerschrocken auch mal unter die Gürtellinie geht.

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Gesamt

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