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Einer gegen alle

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  • Koch Films
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Story/Handlung von Einer gegen alle

Wer schnell zu viel Geld kommen möchte, braucht entweder eine hervorragende Idee, ganz viel Glück oder einen tollkühnen Plan und große Risikobereitschaft. Letzteres hat die russische Mafia, minimiert mögliche Gefahren aber trotzdem so gut es eben geht. Aus diesem Grund heuert sie auch Victor (Alain Hernández) an, der als talentierter Meisterdieb gilt. Meterdicker Beton etwa ist für ihn kein unüberwindbares Hindernis und damit ist er natürlich ein logischer Ansprechpartner, wenn man eine Bank um 30 Millionen Euro erleichtern möchte. Ein Coup dieser Größenordnung erfordert allerdings zunächst sehr gründliche Planung und selbstverständlich ein funktionierendes Team. Doch ausgerechnet in diesem Punkt wird das Vorhaben kompliziert, denn so richtig trauen sich die Beteiligten nicht über den Weg. Aus diesem Grund taucht die Prostituierte Helena (Alba Galocha) regelmäßig bei Victor auf, um Informationen über ihn zu beschaffen – ein Aufwand, den man sich eigentlich auch hätte sparen können. Denn als Fluchtwagenfahrer wird ausgerechnet „Rápido“ (Javier Gutiérrez) engagiert, der Victor bereits bestens kennt und über durchaus brisantes Wissen über seinen Komplizen verfügt…

Filmkritik zu Einer gegen alle

Traue niemals einem Dieb 28. September 2017 | von

Das Problem bei derart von Geheimnissen geprägten Filmen wie „Einer gegen alle“ ist natürlich, diese zu bewerten, ohne zu viel zu verraten. Schließlich lebt auch Einer gegen alle davon, die Hintergründe und Beziehungen seiner Figuren nach und nach zu entwirren und aufzulösen. Erstaunlich ist dabei allerdings der Tempowechsel, der nach recht forschem Auftakt für einen etwas gebremsten Mittelteil sorgt, bevor das Finale noch einmal richtig Fahrt aufnimmt. Womöglich liegt das daran, dass Einer gegen alle gleich mehrere Genres bedient beziehungsweise das zumindest versucht. Heist-Film, Action, Thriller, Krimi – hier ist alles in ähnlichem Maße vertreten. So ganz harmoniert das allerdings nicht immer miteinander, eventuell wäre eine klare Linie mit einer fokussierteren Ausrichtung schlicht besser gewesen. So war es zum Beispiel bei „Jeder gegen jeden“, der ebenfalls einen Bankraub zum Thema hatte, oder auch beim herausragenden „Mörderland“, das als famoser Thriller ein absolutes Gütesiegel für den spanischen Film darstellt.

Wesentlichen Anteil an dieser hohen Qualität und internationalen Lobeshymnen haben selbstverständlich auch Schauspieler wie ein Javier Gutiérrez, der an der Seite von Raúl Arévalo in „Mörderland“ eine überragende Darbietung ablieferte und diese in „Einer gegen alle“ als von diversen Problemen geplagter „Rápido“ einmal mehr bestätigt. Dieses Mal unter anderem an der Seite vom – zumindest in Spanien – nicht minder angesehenen Luis Tosar (auch in „Jeder gegen jeden“ zu sehen), der als zweiter großer Name in der Besetzungsliste auftaucht. In die Richtung manövriert sich auch Hauptdarsteller Alain Hernández mit einer sehr soliden Leistung, wenngleich er in Sachen Erfahrung und natürlichem Charisma vor allem hinter Gutiérrez zurückstecken muss. Auch unter diesem Aspekt macht sich die manchmal zu verstrickte Handlung von „Einer gegen alle“ als etwas hinderlich bemerkbar – eine klarere Struktur und stärker gezeichnete Figur hätte Hernández wohl eher geholfen. So wirkt er (beziehungsweise der von ihm verkörperte Victor) zeitweise ein wenig verloren – was allerdings auch an den Erwartungen aufgrund des etwas irreführenden deutschen Titels liegen mag. Denn mit dem Originaltitel „Plan de Fuga“, zu Deutsch „Fluchtplan“, hat „Einer gegen alle“ nicht mehr ganz so viel zu tun…

Abgesehen von der Kritik am Titel auf dem Cover kann man der mit sehr interessantem Making-Of ausgestatteten Blu-ray allerdings keinerlei Vorwürfe machen. Technisch ist „Einer gegen alle“ erneut eine sehr gelungene Produktion aus der spanischen Filmbranche. Insbesondere Nahaufnahmen beeindrucken mit ihrer detaillierten Schärfe und das Bild zeigt insgesamt nur minimale Schwächen. In einigen Fällen ist der Schwarzwert vielleicht etwas unterdurchschnittlich ausgefallen, überzeugt ansonsten aber auf voller Linie, ebenso wie die natürlichen Farben und der fast schon perfekt zu nennende Kontrast. Natürlich kommt oft auch visuell bedingt eine kühle Atmosphäre auf, diese unterstützt allerdings die inhaltliche Stimmung und wirkt daher nie übertrieben oder deplatziert. In dem Zusammenhang ist auch der sehr gute Ton zu erwähnen, der als DTS HD-Master Audio 5.1 sowohl saubere Dialoge als auch präzise Effekte aufweist und damit vor allem den actionlastigen Szenen richtig Schwung verleiht.

Fazit

Das spanische Kino hat in den letzten Jahren einige Perlen hervorgebracht und „Einer gegen alle“ spielt völlig zu Recht in dieser Riege mit. An ein Meisterwerk wie „Mörderland“ kommt die Genre-Mischung zwar nicht unbedingt heran, liefert aber dank einer komplexen Story und ebenso erfahrenen wie souveränen Darstellern spannende Unterhaltung, die lediglich im Mittelteil vielleicht ein bisschen zu langatmig ausfällt. Dennoch ist „Einer gegen alle“ definitiv empfehlenswert und im internationalen Vergleich ein würdiger Vertreter seiner Flagge.

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