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Die kleine Hexe

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Story/Handlung von Die kleine Hexe

Eigentlich ist die kleine Hexe (Karoline Herfurth) ja schon stattliche 127 Jahre alt, aber gemessen an Hexenmaßstäben ist sie damit im Prinzip noch ein Kind. Daher darf sie natürlich auch nicht in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg tanzen. Trotzig beschließt sie, dieses Verbot zu ignorieren und trotzdem zur Feier zu gehen. Tatsächlich schafft sie es auch dorthin, aber sie bleibt nicht lange unentdeckt. Die Strafe folgt auf dem Fuße. Wer in der Walpurgisnacht feiern will, muss eine echte Hexe sein und als solche muss man auch die Zaubersprüche aus dem großen magischen Buch kennen. Ein Jahr hat die kleine Hexe nun Zeit, um all Sprüche zu lernen – dummerweise sind es ganz schön viele. 7.892, um genau zu sein. Keine leichte Aufgabe. Erst recht nicht, wenn man ohnehin nicht über ein Höchstmaß an Fleiß und Motivation verfügt. Da hilft es auch überhaupt nicht, dass die böse Hexe Rumpumpel (Suzanne von Borsody) umso engagierter versucht, die kleine Hexe vom Erfolg abzuhalten. Zum Glück hat diese aber mit dem sprechenden Raben Abraxas noch einen treuen Wegbegleiter, der ihr dabei hilft, eine wirklich gute Hexe zu werden.

Filmkritik zu Die kleine Hexe

Ganz bezaubernd 14. August 2018 | von Martin Sowa

Die Älteren dürfen immer mehr. Lange aufbleiben, sich (manchmal) nicht an die Regeln halten und vor allem tolle Feste feiern. Das ist bei der kleinen Hexe ganz ähnlich, auch wenn sie schon 127 Jahre alt ist. Die sieht man Hauptdarstellerin Karoline Herfurth natürlich noch lange nicht an, so unbeschwert verkörpert sie die titelgebende Rolle – obwohl sie den gesamten Film fast alleine trägt. An ihrer Seite lockert eigentlich nur der animierte Rabe Abraxas (gesprochen von Axel Prahl) die manchmal an eine gewisse Pippi Langstrumpf erinnernde Einzeldarbietung konsequent auf. Die Antagonistin Rumpumpel ist als Gegenpol zwar dramaturgisch wichtig, spielt ansonsten aber tatsächlich nur eine Nebenrolle. Das macht aber gar nichts, „Die kleine Hexe“ trägt diesen Titel schließlich aus gutem Grund. Im Prinzip handelt es sich hier ja um eine Coming-of-Age-Geschichte – die kleine Hexe möchte unbedingt eine gute Hexe werden und muss dafür erst einmal herausfinden, was das eigentlich konkret bedeutet.

Das ist gar nicht so einfach, denn selbst die weniger guten oder gar „bösen“ Hexen sind im Film alles andere als „klassisch“ fies. Ab und zu können die Gegenspielerinnen der kleinen Hexe natürlich recht gruselig wirken, behalten dabei aber immer einen gewissen komischen Charakter. Das sorgt für entspannte Aufregung und kindgerechte Spannung – die aber auch die Eltern definitiv unterhalten dürfte. Zwar schimmert ab und zu noch durch, warum Otfried Preußler sich so lange gegen eine Verfilmung seines Kinderbuchs gewehrt hat; ganz so einfach ist die Geschichte eben nicht visuell umzusetzen. Aber mit dem heutzutage ungewöhnlich ausgeprägten Verzicht auf Computeranimationen und der stattdessen eingesetzten, echten Handarbeit hat Regisseur Michael Schaerer genau das richtige Werkzeug gewählt. Die manchmal notwendigen Spezialeffekte muten manchmal wirklich etwas hölzern an, während die Realeffekte umso beeindruckender rüberkommen. Das gilt ebenso (beziehungsweise ganz besonders) für die Maske und das Szenenbild, die jeweils außerordentlich detailverliebt und ganz offensichtlich voller Herzblut umgesetzt wurden.

Fazit

Wer eventuell die Skepsis des Romanautors Preußler geteilt hat, dürfte sich vom Ergebnis schnell umstimmen lassen. „Die kleine Hexe“ ist ein wunderbarer und fantasievoller Familienfilm geworden, der tatsächlich ein wenig so wirkt, als hätte jemand das beliebte Kinderbuch auf magische Weise mit einem Zauberspruch zum Leben erweckt. Im Erwachsenenalter weiß man das natürlich besser, aber zumindest in kindlichen Gedanken ist Träumen ja erlaubt.