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Der Himmel über Berlin (Digital Remastered)

Foto:
  • Arthaus
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Story/Handlung von Der Himmel über Berlin (Digital Remastered)

Der Engel Damiel (Bruno Ganz) wandelt in Begleitung seines himmlischen Kollegen Cassiel (Otto Sander) durch das geteilte Berlin. Sie blicken auf eine Welt in Schwarz-Weiß. Auf der Suche nach Gefühlen wie Sehnsucht und Leidenschaft träumt Damiel von der wahrhaftigen, irdischen Existenz, die einzig den Menschen vorbehalten ist. Als er sich in die Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin) verliebt, wagt er den Schritt in die Sterblichkeit und erlebt die Welt in neuen Farben …

Filmkritik zu Der Himmel über Berlin (Digital Remastered)

Restaurierte Neuauflage zum Jubiläum 1. Juni 2018 | von Martin Sowa

Inzwischen ist es schon 30 Jahre her, dass Der Himmel über Berlin die deutschen Kinos eroberte und nahezu jeden wichtigen Filmpreis für sich beanspruchen durfte. Nach mehrjährigem Aufenthalt in den USA kehrte Regisseur Wim Wenders mit seiner Geschichte über die beiden Engel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) nach  Deutschland zurück. Unsichtbar für die Menschen beobachten Damiel und Cassiel die Einwohner des geteilten Berlins und verfolgen ihre Gedanken. Dabei müssen sie auf viele Erfahrungen der Menschen verzichten und sehen die Welt nur in Schwarz-Weiß. Als in Damiel die Zuneigung zur einsamen Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin) erwacht, entschließt er sich nach gutem Zureden eines ehemaligen Engels (Peter Falk), seine Unsterblichkeit gegen eine menschliche Existenz zu tauschen. Dass die Handlung ziemlich überschaubar wirkt, ist tatsächlich dem Umstand geschuldet, dass sie eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die bewusst reduzierte Dramaturgie entwickelt sich in aller Ruhe und Gelassenheit, Wenders kommt es vielmehr auf die künstlerischen Aspekte an.

Eigentlich kein Wunder, angesichts Wenders ursprünglicher Pläne, sich als Maler verwirklichen zu wollen. Daher gehört Der Himmel über Berlin zu der Sorte Film, die das Kino als Kunstform sieht und nicht als rein unterhaltsamen Zeitvertreib. Dementsprechend fordert das Drama sein Publikum. Immer wieder müssen die Zuschauer die Eindrücke selbst ordnen und in den subjektiv passenden Zusammenhang setzen, um der teilweise recht bruchstückhaften Handlung folgen zu können. Für das dramaturgische Gesamtbild sorgt im Wesentlichen der lyrische Rahmen in Form des Gedichts „Lied vom Kindsein“ von Wenders altem Weggefährten Peter Handke. Unter anderem hatte Wenders bereits 1972 als sein (aus Wenders Sicht) Erstlingswerk dessen Romanvorlage „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ adaptiert. Das Kriminaldrama wurde von Kritikern gelobt, von großen Teilen des Publikums allerdings (aufgrund des Titels) als Sportfilm missverstanden und entsprechend eher enttäuscht aufgenommen.

Im Fall von Der Himmel über Berlin könnten die Reaktionen noch immer ähnlich ausfallen – der konsequent unter künstlerischen Aspekten vorangetriebenen Umsetzung der grundlegenden Idee muss man zwangsläufig offen gegenüberstehen, um ihr etwas abgewinnen zu können. Ohne Faible für Bildkomposition und viel Raum für Interpretationen wird es sicherlich schwer, die etwas mehr als zweistündige Spielzeit interessiert zu überstehen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit nachvollziehen können, warum Der Himmel über Berlin seit nunmehr drei Jahrzehnten als Meisterwerk gilt. Insbesondere in Form der „Digital Remastered“-Neuauflage, die unter anderem in einer 4K-Fassung das restaurierte Material in neuem Glanz erstrahlen lässt. Interessant und wertvoll sind zudem die Extras, insbesondere die Audiokommentare zum Film sowie die Hintergrundinfos zu den Restaurationsarbeiten. Für echte Cineasten gibt es eine besondere Collector’s Edition, die zwei DVDs und eine Blu-ray mit dem Film und allen Extras beinhaltet sowie ein 24-seitiges Booklet, das Filmposter, drei Artcards und eine CD mit der Selected Score Music von Jürgen Knieper und Laurent Petitgand enthält.

Fazit

Mit einem mutigen Ansatz inszeniert Wim Wender ein zwischen- und übermenschliches Drama über das Leben und die Liebe im geteilten Berlin. Geprägt von einem lyrischen und malerischen Fokus steht der künstlerische Aspekt deutlich mehr im Vordergrund als die Verpflichtung zur Unterhaltung. Darüber darf man sich als Zuschauer nicht nur selbst ein Urteil bilden – man muss sogar.

Regie

Wim Wenders