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Das Leben ist ein Fest

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Story/Handlung von Das Leben ist ein Fest

Wer sich heutzutage das Ja-Wort gibt, tut das in vielen Fällen nicht mehr im kleinen Kreis. Opulente Feiern sind der neue Standard und Wedding-Planner organisieren in jedem noch so kleinen Kaff den schönsten Tag im Leben. Das darf auch gerne mal etwas mehr kosten. Schwierig wird es erst, wenn die hohen Erwartungen des Brautpaares nicht so ganz zum selbstgesteckten Budget passen. Mit exakt diesem Problem sieht sich der erfahrene Hochzeits-Planer Max Angély (Jean-Pierre Bacri) konfrontiert, als Héléna (Judith Chemla) und Pierre (Benjamin Lavernhe) ihn für ihre eigene Hochzeit engagieren möchten. Trotzdem nimmt er den Auftrag an und organisiert für das junge Paar eine großangelegte Feier in einem herrschaftlichen Landschloss bei Paris. Doch es kommt, wie es kommen muss und der von Max sorgfältig ausgearbeitete Plan läuft völlig aus dem Ruder. Vom Stau während der Anreise bis zum verdorbenen Buffet geht so ziemlich alles schief. So wird aus einem eigentlich simplen Auftrag für Max eine echte Bewährungsprobe, die ihm sämtliche Improvisationskünste abverlangt und ihn an die Grenze seiner Kräfte zu bringen droht …

Filmkritik zu Das Leben ist ein Fest

In guten wie in schlechte Zeiten … 6. Juni 2018 | von Martin Sowa

Ein solides Rezept für eine Komödie ist immer wieder die Mischung aus einer Hochzeit und dem völligen Chaos. Was schon in alten Sketchen funktionierte, ist noch immer in TV-Serien wie auch in Kinofilmen gern genutzte Basis. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind die Hollywood-Produktion „Mike And Dave Need Wedding Dates“ und die französische Komödie „Hochzeit ohne Plan“. Nun wagen sich auch Éric Toledano und Olivier Nakache, die Macher von „Ziemlich beste Freunde“ und „Heute bin ich Samba“, an dieses Setting. Im Gegensatz zum teilweise völlig unkontrolliert eskalierenden „Mike And Dave Need Wedding Dates“ behalten die beiden Regisseure glücklicherweise die Kontrolle, obwohl sie ihre Geschichte in ziemlich großem Rahmen anlegen. Im Mittelpunkt steht dabei allerdings nicht das Brautpaar, sondern Wedding-Planner Max – logisch, schließlich geht ja nahezu alles schief, was schiefgehen kann und Max muss mit eisernen Nerven und Improvisationsvermögen dafür sorgen, dass aus dem schönsten Tag im Leben nicht der absolute Albtraum wird. Ausgehend von diesem roten Faden entwickeln sich diverse Nebenstränge. Max hat nicht nur mit einem verdorbenen Buffet und seiner verbal sehr aggressiven Assistentin samt den daraus resultierenden Konflikten zu kämpfen, sondern muss auch noch dafür Sorge tragen, dass seine Angestellten wenigstens einigermaßen kooperativ und engagiert ihrem Job nachgehen. Als wäre das nicht schon schwer genug, geht ihm der ständig Wünsche und Vorschriften äußernde Bräutigam zunehmend auf die Nerven und seine Noch-Ehefrau drängt – quasi als Gegenentwurf zum Job – auf die Scheidung.

Kontrolliertes Chaos

Erstaunlicherweise ist dieses absolute Chaos sehr amüsant inszeniert und man vergisst immer wieder, dass Max hier trotz aller Routine durch nur einen Auftrag plötzlich vor den Trümmern seiner Existenz steht. Während sich im Prinzip alle außer ihm lediglich um individuelle Nichtigkeiten Gedanken machen, muss Max ein Auge auf jedes einzelne dieser Probleme haben. Man kann sogar gewisse sozialwissenschaftliche Aspekte in die Handlung interpretieren, wenn man das möchte – oder man lässt Makro- und Mikrosoziologie links liegen und amüsiert sich einfach ohne Hintergedanken. Schließlich wird die Geschichte insgesamt eben doch recht konventionell erzählt, wobei Toledano und Nakache geschickt auf dem schmalen Grat zwischen Comedy und Chaos balancieren, der Das Leben ist ein Fest seinen Feel-Good-Faktor bewahrt. Eine wichtige Säule dafür ist der teilweise sehr trockene, sprachliche Humor. Wo andere Filmemacher gerne Slapstick, Unfälle und spektakuläre Zerstörung aneinanderreihen, tritt das Regie-Duo in Das Leben ist ein Fest sogar vereinzelt mal ein wenig auf die Bremse und lassen eher Worte als Taten sprechen oder lösen Szenen ganz elegant mit plötzlich dazu stoßenden Charakteren. Das nimmt der Situationskomik der Komödie aber nicht ihre Dynamik, sondern steigert sogar deutlich ihr Niveau. Zwar kann die deutsche Synchronisation mit ihren manchmal etwas holprigen Wortwitzen nicht ganz mit dem französischen Original mithalten, überwindet die Sprachbarriere aber größtenteils sehr elegant.

Das gilt auch für Hauptdarsteller Jean-Pierre Bacri („Unter dem Regenbogen“), der dem Hochzeits-Planer Max ein glaubhaftes Gesicht verleiht und den Wandel vom stolzen Routinier zum fast schon verzweifelten „Feuerwehrmann“ ohne übertrieben mitleidsheischende Darstellung vollbringt. An seiner Seite überzeugen vor allem die in Deutschland bislang eher unbekannte Eye Haïdara (trotz leicht klischeebehafteter Rolle) und die erfahreneren Comedians Gilles Lellouche als reichlich selbstverliebter Entertainer und Jean-Paul Rouve als ebenso desinteressierter wie desillusionierter Fotograf. Für den Großteil des gar nicht mal so kleinen Cast bleibt ansonsten tatsächlich nur Platz für kleine Nebenrollen, obwohl auch Benjamin Lavernhe („Birnenkuchen mit Lavendel“) als Bräutigam Pierre regelmäßig für Running Gags in den Fokus rückt. Dieses beständige Aufgreifen immer wieder ähnlicher Muster könnte man Das Leben ist ein Fest möglicherweise sogar negativ auslegen, wenn es nicht so punktgenau umgesetzt und daher trotz aller Vorhersehbarkeit einen Lacher wert wäre.

Fazit

Nachdem sich Olivier Nakache und Éric Toledano mit „Ziemlich beste Freunde“ quasi über Nacht als Könige der französischen Komödie etabliert haben, müssen sie nun mit jedem neuen Film hohen Ansprüchen gerecht werden. Da ist ein solides Fundament genau die richtige Wahl und mit einer chaotischen Hochzeitsfeier lässt sich in Sachen Humor gut arbeiten. Tatsächlich gelingt das dem Regie-Duo in Das Leben ist ein Fest außerordentlich gut. Mit der perfekten Balance aus Chaos und Komödie liefern Nakache und Toledano erneut ein Feel-Good-Movie auf bekannt hohem Niveau ab.

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