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80%

Black Mass

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  • Warner Bros
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Story/Handlung von Black Mass

James „Jimmy“ Bulger (Johnny Depp) ist irischstämmig und im sozialschwachen Teil Bostons aufgewachsen. Schon früh landet er im Knast, verbringt unter anderem einige Jahre im berühmten Gefängnis Alcatraz. 1975 ist er aber zurück in seiner Heimat Boston und führt mittlerweile die Winter Hill Gang an, die sich in dauerhafter Rivalität zur italienischen Mafia im Norden der Stadt befindet. Die Geschäfte der Gang sind vielfältig, von Drogenhandel über Glücksspiel und Schutzgelderpressung bis hin zu Mord schrecken die Mitglieder der Bande vor so gut wie nichts zurück. Dabei hat Bulger auch eine andere Seite und ist bei den Bewohnern „seines“ Territoriums beliebt. Mit seiner Ehefrau Lindsey Cyr (Dakota Johnson) hat er einen gemeinsamen Sohn, der ihm ebenso viel bedeutet wie Lindsey, seine Mutter oder sein jüngerer Bruder Billy (Benedict Cumberbatch) – der den Kontakt zu seinem kriminellen Bruder hält, obwohl er selbst erfolgreicher Politiker und sogar Senator von Massachusetts ist.

Abgesehen von seinem ruhigen Privatleben führt Bulger seine Geschäfte jedoch mit harter Hand und stets auf Opportunität bedacht. So schließt er sogar einen Pakt mit dem FBI-Agenten John Connolly (Joel Edgerton), der ebenfalls aus Boston stammt und mit den Bulger-Brüdern zusammen aufgewachsen ist. Connolly will die italienische Mafia bekämpfen, woran Bulger ebenfalls gelegen ist. Der Deal: Bulger begeht keine Kapitalverbrechen und liefert Informationen über den gemeinsamen Gegner, dafür wird er nicht vom FBI behelligt. Schritt für Schritt nutzt Bulger diese Allianz, um seinen Einfluss in Boston zu stärken. Doch als erst sein Sohn plötzlich durch eine seltene Komplikation und kurz darauf seine Mutter verstirbt, verändert sich Bulger. Er wird verbitterter und brutaler. Gleichzeitig baut er sich auch außerhalb von Boston Geschäftszweige auf, bei denen er von Connolly gedeckt wird, der durch Erfolge gegen die Mafia selbst seine Karriere vorantreiben kann. Allerdings werden Bulger und Connolly mit der Zeit unvorsichtig, was ihre jeweiligen Vertrauten und Kollegen stutzig werden lässt…

Filmkritik zu Black Mass

Brutal ehrlich und ehrlich brutal 18. Februar 2016 | von

Erstaunlich an Black Mass ist in erster Linie Hauptdarsteller Johnny Depp. In seiner Rolle als James Bulger erkennt man den sonst gerne leicht trottelig wirkenden Schauspieler gar nicht wieder und auch das Interview im Bonusmaterial zeigt einen in Gestik, Mimik und Artikulation völlig anderen Menschen. Großes Lob also an Depp, der hier tatsächlich „echtes“ Schauspieltalent unter Beweis stellt und wahrscheinlich die beste Verkörperung eines inhaftierten Straftäters seit Tom Hardy in „Bronson“ liefert. So gelingt es ihm, das eigentlich ohne echten Spannungsbogen ausgestattete Drehbuch packend zu gestalten – die Handlung kommt tatsächlich völlig untypisch ohne einen eindeutigen Höhepunkt aus, stattdessen wirkt Black Mass fast schon wie eine Biografie und nicht wie ein Crime-Thriller. Dazu tragen natürlich auch die immer wieder eingeschobenen Zeitsprünge auf die Verhöre von Bulgers ehemaligen Komplizen bei, unter denen insbesondere Rory Cochrane („Public Enemies“, „Argo“) als Steve Flemmi hervorsticht. Und das will etwas heißen, denn insgesamt wurden die Rollen mit äußerst bekannten Namen besetzt. Etwas prominenter durchaus positiv auffallend rücken dabei Joel Edgerton („Warrior“, „Felony“) und Benedict Cumberbatch („Sherlock“, „The Imitation Game“) ins Geschehen, während sich ein Routinier wie Kevin Bacon und vor allem die weiblichen Darsteller Dakota Johnson, Julianne Nicholson und Juno Temple leider sehr zurückhalten müssen.

Damit wären wir auch schon bei der einzigen wirklichen Schwäche von Black Mass: Die Entwicklung von Charakteren findet kaum statt, Tiefe und Profil gewinnt hier abgesehen von James Bulger kaum jemand. Selbst der sich nach dem Tod des gemeinsamen Sohnes anbahnende Widerstand von Bulgers Frau Lindsey verläuft im Sande, ansonsten kommt es gar nicht erst so weit. Natürlich liegt der Fokus klar auf Bulger, doch ein wenig mehr Beachtung hätte man den für die erzählte Handlung wichtigen Personen durchaus schenken können. So gibt es nur dann einen Wendepunkt, wenn neue Figuren in die Geschichte einsteigen. Hier liegt allerdings wiederum die Stärke von Black Mass, denn anders als bei vielen anderen auf wahren Begebenheiten beruhenden Filmen halten sich Regisseur Scott Cooper und die Drehbuchautoren Mark Mallouk und Jez Butterworth sehr genau an die realen Geschehnisse. Das mag dann den typischen Spannungsbogen vermissen lassen, ist aber angesichts der haarsträubenden Taten von Bulger und seinen Männern allerdings keineswegs langweilig – die Realität schockiert mitunter heftiger als die Fantasie… und wenn man sich dann noch klarmacht, dass hier nur eine recht kurze Episode aus Bulgers krimineller Laufbahn beleuchtet wird – man möchte eigentlich nicht länger darüber nachdenken. Genauso wenig wie über die Tatsache, dass das FBI hier ebenso wie die CIA in „Kill the Messenger“ beschrieben ganz enormen Anteil am kriminellen Aufstieg gewisser Kriminellen hatte…

Fürs Heimkino bitte die Blu-ray wählen!

Für unsere Rezension stand uns dieses Mal „nur“ die DVD-Version zur Verfügung, die im direkten Vergleich mit einer Blu-ray logischerweise den Kürzeren zieht. Dennoch ist die Bildqualität insgesamt gut, die Ränder sind allerdings leicht ausgefranst bis verwaschen und in dunklen Szenen fehlt die letzte Schärfe und Klarheit. Allein deshalb lohnt sich dann der Kauf der Blu-ray, zumal diese auch in Sachen Ton mehr zu bieten hat. Die DVD beinhaltet zwar drei Audiospuren (neben dem englischen Original auch Deutsch und Spanisch), allerdings sind diese allesamt als Dolby-Digital-5.1-Spur vorhanden, während die Blu-ray das englische Original als DTS HD Master Audio 5.1 präsentiert. Und das macht sich eigentlich immer deutlich bemerkbar.

Auch in Hinblick auf das Bonusmaterial bietet die Blu-ray Mehrwert gegenüber der DVD, die „nur“ ein 12-minütiges Featurette über die Verwandlung von Depp in Bulger beinhaltet. Das ist zwar sehr interessant und gibt gute Einblicke in die Entwicklung des Films, allerdings gibt es auf der Blu-ray eben noch zwei weitere Featurettes, die sich insgesamt über 80 Minuten lang mit der Jagd auf Whitey Bulger und weiteren Hintergründen der im Film erzählten Geschichte beschäftigen. Wer sich für die Extras interessiert, sollte also auf jeden Fall auf die Blu-ray zurückgreifen.

Fazit

Black Mass ist ein untypisch gestalteter Krimi-Thriller, der zu großen Teilen auch als Biopic durchgehen könnte. Eine hollywoodtypische Handlung fehlt, dafür glänzt der Film mit großer Nähe zur Realität und einem hervorragend agierenden Johnny Depp. Auch die technische Qualität weiß zu gefallen, für die eigene Filmsammlung sollte man auf jeden Fall die mit umfangreichem Exklusiv-Bonusmaterial ausgestattete Blu-ray wählen.

Watch|outs

Gesamt

80 %

Regie

Scott Cooper