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Birnenkuchen mit Lavendel

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Story/Handlung von Birnenkuchen mit Lavendel

Louise Legrand (Virginie Efira) hat kaum eine freie Minute. Die junge Witwe muss sich nicht nur um ihre beiden Kinder Felix (Léo Lorléac’h) und Emma (Lucie Fagedet) kümmern, sondern auch noch ihren Birnenhof bewirtschaften, sich sowohl mit ausstehenden Zahlungen, der die Kreditrate einfordernden Bank auseinandersetzen als auch Annäherungsversuchen ihres Nachbarn erwehren. Ausgerechnet jetzt verursacht sie auch noch einen kleinen Unfall, als sie einen jungen Mann namens Pierre (Benjamin Lavernhe) anfährt. Louise nimmt ihn zunächst mit nach Hause, um sicherzugehen, dass es ihm gut geht. Und zum Glück ist Pierre kaum verletzt, obwohl er sich teilweise etwas ungewöhnlich benimmt – er leidet am Asperger-Syndrom und kommt mit Stress nicht zurecht, während er andererseits sehr ordnungsliebend und extrem penibel ist. Zusätzlich hat er die Angewohnheit, seine Abneigung gegenüber Gegenständen auszudrücken, indem er sie mit bunten Klebepunkten versieht.

Obwohl es Pierre bei Louise und ihren Kindern gefällt und er über Nacht sowohl Louises Korrespondenz als auch die Wohnung auf Vordermann gebracht hat, will Louise ihn wieder nach Hause bringen – ab und zu fühlt sie sich von Pierres besonderen Eigenarten doch etwas überfordert. Dabei erfährt sie, dass Pierre in einem Zimmerchen hinter dem Antiquariat von Jules (Hervé Pierre) wohnt, der ihn nach dem Tod seiner Eltern aufgenommen hat. Jules erklärt ihr außerdem, dass Pierre nicht nur Ordnungsfanatiker, sondern auch ein begnadeter Hacker ist, der bereits ins Sicherheitssystem des Verteidigungsministeriums eindringen konnte. Aus diesem Grund steht er auch unter ärztlicher Beobachtung durch Dr. Ferenza (Hiam Abbass), die Pierres Vorliebe für Louises Hof eher skeptisch gegenübersteht – dabei könnte Pierre selbst der Schlüssel zur Lösung aller Probleme sein…

Filmkritik zu Birnenkuchen mit Lavendel

Ein Auffahrunfall als Glückstreffer 20. Oktober 2016 | von

Vermutlich ist es purer Zufall, dass Virginie Efira sowohl in „Familie zu vermieten“ als auch in Birnenkuchen mit Lavendel die Hauptrolle der alleinerziehenden Mutter spielt, die noch dazu in beiden Komödien eine pubertierende Tochter und einen jüngeren Sohn hat, der die neuen Bekanntschaften unter anderem aufgrund deren Mathe-Nachhilfe gut leiden kann. Auffällig ist es vor allem deshalb, weil Efira die beiden Rollen völlig unterschiedlich angeht und die Figuren dadurch eigenständig wirken lässt. War sie als Violette noch recht unkonventionell, so tritt sie als Louise wesentlich „normaler“ und  dezenter auf. Was Louise sie natürlich auch sein muss, damit der möglichst jeglichen Stress meidende Pierre sich in ihrer Nähe wohl fühlen kann. Und genau hier gelingt eine auch für den Zuschauer angenehme Darstellung von Pierres Handicap, die sehr schön zwischen seinen dadurch entstehenden Problemen aber auch den so bedingten Vorteilen balanciert. Die Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen (die allerdings auch durchaus charmant thematisiert werden) gleicht Pierres Sinn für die schönen Details des Lebens wieder aus und sein spezialisiertes Genie erweist sich in einer Vielzahl von Situationen als wahres Geschenk. Zudem gelingt Lavernhe die Verkörperung dieser Rolle, ohne einmal auf übertriebene Klischees oder irgendeinen Mitleidsfaktor zurückgreifen zu müssen.

Natürlich ist die ganze Geschichte keine spektakuläre Revolution und greift auf bewährte und relativ simple Grundlagen zurück, doch Regisseur und Drehbuchautor Éric Besnard macht Birnenkuchen mit Lavendel trotzdem zu einer unterhaltsamen Komödie. Dabei gelingt es ihm vortrefflich, die vielen kleinen und großen Hindernisse im Leben von Louise mit der für französische Komödien typischen Leichtigkeit und Situationskomik (hier spielen auch Pierres Klebepunkte eine relevante Rolle) zu mildern, so dass die zentrale Geschichte – nämlich der Existenzkampf der Legrands – gar nicht so bitter schmeckt… ein bisschen wie Birnenkuchen mit Lavendelhonig halt.

Die liebliche Sommerromantik spiegelt sich auch im Bild von Birnenkuchen mit Lavendel wider, das die malerische Provence von ihrer besten Seite präsentiert. Bereits das Menü der Blu-ray fängt die Grundstimmung des Films wunderbar ein. Die Farben wirken satt und warm, Schärfe und Details kommen ausgesprochen gut und ausgewogen zur Geltung. So wird das Zuschauen zum entspannten Vergnügen. Soundtechnisch darf man bei einer romantischen Komödie natürlich kein Spektakel erwarten, Dialoge, Musik und die den Zuschauer auch räumlich umgebende Natur kommen allerdings wunderbar und stimmungsvoll zur Geltung. Im Bonusmaterial ist zwar nur der Trailer sowie ein rund 22-minütiges Interview mit Regisseur Besnard und Hauptdarsteller Lavernhe zu finden, letzteres gibt allerdings eine Menge Einblicke in die Hintergründe des Films. Zudem ist es durchaus amüsant zu sehen, wie Besnard das Gespräch zu Beginn förmlich an sich reißt und Lavernhe dies im Gegensatz zu seiner Rolle ebenfalls sehr unterhaltsam findet und immer wieder ein Lachen unterdrückt.

Fazit

Die Gefahr einer schmalzigen Romanze wendet Birnenkuchen mit Lavendel durch den stets praktisch veranlagten Pierre elegant ab und sorgt dafür, dass garantiert nicht nur das weibliche Publikum Gefallen an der französischen Komödie findet. Die Chemie zwischen dem Hauptdarsteller-Paar Efira und Lavernhe passt trotz der dramaturgischen Hürden wunderbar und verleiht ihren Figuren auf den ersten Blick Charme und maximale Sympathie.

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