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A Beautiful Day

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  • Constantin Film
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Story/Handlung von A Beautiful Day

Joe (Joaquin Phoenix) ist ein ehemaliger Soldat und FBI-Agent, dessen Leben seit seiner Kindheit von einer Aneinanderreihung diverser Traumata gezeichnet ist. Inzwischen lebt er mit seiner demenzkranken Mutter am Rande von New York. Sein Geld verdient er als grobschlächtiger Auftragskiller mit Rachefeldzügen gegen Kinderschänder und Pädophilenringe, die er mit dem Hammer in der Hand wortwörtlich sprengt. Immer wieder wird er dabei von seinen eigenen Erinnerungen geplagt, die ihm in Form von plötzlichen Flashbacks das Leben schwer machen und ständig an den Rand des Selbstmords treiben. Dann bekommt Joe einen neuen Auftrag – er soll die Tochter eines Senators retten, die in einem Bordell in Manhattan vermutet wird. Tatsächlich gelingt es ihm, das Mädchen zu finden, doch noch ahnt er nicht, in welches Wespennest er gestochen hat. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und offenbaren eine Verschwörung, deren Drahtzieher lieber heute als morgen Joe tot sehen wollen – was allerdings auf Gegenseitigkeit beruht…

Filmkritik zu A Beautiful Day

Schlicht der Hammer 5. September 2018 | von Martin Sowa

Wenn Joaquin Phoenix eine Hauptrolle besetzt, dann handelt es sich tatsächlich um den Part, der einen ganzen Film trägt. A Beautiful Day kann in so gut wie keiner Szene auf den von ihm verkörperten Joe verzichten, der quasi als prototypischer Antiheld auftritt. Breitschultrig, vernarbt, mit langen Haaren und zerzaustem Bart wirkt Phoenix alles andere als sympathisch und seine Sparsamkeit in Bezug auf Mimik und verbale Äußerungen wirken teilweise sogar angsteinflößend. Das ist allerdings aus gutem Grund der Fall, schließlich handelt es sich beim Hammer schwingenden Joe um einen schwer traumatisierten Mann. Eine Figur, wie sie nur allzu gern von Regisseurin Lynne Ramsay inszeniert wird. Die Psyche des Protagonisten ist der Schottin dabei grundsätzlich auch wichtiger als die Handlung drum herum, weshalb A Beautiful Day auch nicht unbedingt besonders innovativ erscheint. Entführung, Verschwörung und ein Einzelkämpfer gegen eine kriminelle Übermacht – fertig ist der Thriller-Plot. Darum geht es aber eben nur am Rande, im Fokus stehen Joe und die Frage, wie er zu dem Menschen wurde, der er ist. Das ist alles andere als leichte Kost und ziemlich brutal, wenngleich Ramsay auf allzu plakative Gewaltdarstellung verzichtet.

Das tut A Beautiful Day gut und tröstet über schwächelnde Passagen ebenso hinweg wie über die Tatsache, dass der deutsche Titel eigentlich auch ein englischer ist und im Vergleich zum englischen Original „You Were Never Really Here“ über relativ wenig Bindung zur grundlegenden Handlung verfügt. Umso wertvoller ist die Darbietung von Joaquin Phoenix, der wieder einmal über alle Maßen authentisch wirkt. Wie so oft scheut er nicht den Mut zur Hässlichkeit und verpasst seiner Figur eine Ambivalenz, die nicht so vielen seiner Fachkollegen zu gelingen vermag. Joe ist ebenso liebenswürdig wie brutal, ebenso sanft wie gnadenlos. Ständig pendelt er zwischen diversen Extremen, die ihn innerlich zu zerreißen scheinen. Teilweise ist es schmerzhaft, ihm nur dabei zuzusehen, und anschließend ist man wütend auf sich selbst und seine lächerlichen Problemchen. Zumindest, sofern man sich auf A Beautiful Day und seinen speziellen Ansatz einlässt und nicht bloß stumpfe Action erwartet. So einfach macht es Joe einem dann doch nicht…

Fazit

Der Drama-Thriller A Beautiful Day glänzt trotz aller düsteren Kapitel mit dem hervorragenden Hauptdarsteller Joaquin Phoenix und einem unkonventionellen, atmosphärisch packenden Grundton. Darauf muss man sich einlassen können, versteht dann aber schnell die Welle an Begeisterung und Auszeichnungen, die A Beautiful Day schon erfahren durfte.

Regie

Lynne Ramsay