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4 Könige

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Story/Handlung von 4 Könige

Während Weihnachten für viele Menschen eine schöne Zeit ist, sind die Feiertage für die vier Teenager Alex (Paula Beer), Lara (Jella Haase), Fedja (Moritz Leu) und Timo (Jannis Niewöhner) kein Grund für Freude und Glückseligkeit. Alle vier verbringen Heiligabend dieses Mal in der Jugendpsychiatrie, in der sie aus unterschiedlichen Gründen und doch recht ähnlichen Gründen gelandet sind. Die mit der Trennung ihrer Eltern überforderte Alex und der verängstigte, schüchterne Fedja sind introvertiert, die aufmüpfige Lara hingegen kämpft vor allem mit ihrer Langeweile. Und Timo ist eigentlich in der „Geschlossenen“ untergebracht, da er als jähzornig gilt und zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen neigt. Doch der Psychiater Dr. Wolf (Clemens Schick) sieht – entgegen der Einwände seiner Kollegen – für ihn gute Chancen, die Probleme in den Griff zu bekommen, indem er Zeit mit den drei anderen Jugendlichen verbringt.

Nicht zuletzt deshalb bleibt auch Dr. Wolf selbst während der Weihnachtstage in der Psychiatrie, wobei sich herausstellt, dass auch er sein Päckchen zu tragen hat. Allerdings schafft das neben einigen anderen Aspekten eine Vertrauensbasis, so dass die vier Jugendlichen langsam Verbindungen zueinander aufbauen und die Situation der anderen verstehen können. Zum ersten Mal seit langem vermittelt Dr. Wolf ihnen das Gefühl, dass sich wirklich jemand für sie als Menschen interessiert – doch da er dabei recht unkonventionell vorgeht, sieht er sich bald massiver Kritik seitens Kollegen und Klinik-Leitung ausgesetzt…

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Filmkritik zu 4 Könige

Stille Nacht in der Psychiatrie 23. Mai 2016 | von

Mit ihrem ersten Langfilm legt Regisseurin Theresa von Eltz gleich ein extrem gelungenes Debüt vor. Trotz eines eher schwierigen Themas, eng gestecktem Zeitrahmen und nicht gerade einfachen Bedingungen gelingt ihr eine sehr zielgerichtete Erzählweise mit viel Sinn für Details, die den Schauspielern trotzdem genug Freiraum lässt. Grundlage dafür war eine sehr sorgfältige Vorbereitung der Dreharbeiten, die sich unter anderem auch darin äußerte, gemeinsam mit den Schauspielern ein Coaching zur Entwicklung der Rollen zu absolvieren. Nicht, dass die Darsteller das unbedingt nötig gehabt hätten, denn hier sind einige bekannte Namen vertreten.

Dem Mainstream-Publikum dürfte vor allem Jella Haase ein Begriff sein, die in den „Fack Ju Göthe“-Filmen die stark geschminkte Asi-Schülerin Chantal verkörpert. In 4 Könige ist sie deutlich reservierter, wenngleich sie als Lara auch keinesfalls auf den Mund gefallen ist. So nennt sie den Psychiater Dr. Wolf gerne „Wolfi“ und geht den anderen vor allem aus Langeweile häufig auf die Nerven. Insbesondere mit Jannis Niewöhner alias Timo gibt es einige spannungsgeladene Szenen. Niewöhner ist von den „vier Königen“ derjenige mit der längsten Filmographie, allerdings tauchte er vor allem in Jugendfilmen und Teenie-Komödien auf. Insofern ist die Rolle in 4 Könige für ihn auch eine ganz neue Aufgabe, die er mit bemerkenswerter Intensität bewältigt.
Wesentlich zurückhaltender müssen Paula Beer und Moritz Leu agieren, die beide eher verängstigte und introvertierte Charaktere verkörpern. Insbesondere Leu gelingt das ohne viele Worte und seine Geschichte bleibt von den vier traumatisierten Jugendlichen am unzugänglichsten. Beer hingegen hat mit ähnlichen Rollen bereits mehrfach sehr positive Kritiken gesammelt und liefert dementsprechend wenig überraschend eine starke Leistung ab.

Ergänzt werden die vier jugendlichen Hauptfiguren von der „Vaterfigur“ Dr. Wolf, der von Clemens Schick verkörpert wird. Der Hollywood-erprobte Schick passt in allen Belangen perfekt in die Rolle des unkonventionell arbeitenden Psychiaters, der sich aufgrund eigener Erfahrungen deutlich besser in die Situation seiner Patienten versetzen kann als das restliche Personal und die Leitung der Psychiatrie. Und so ganz nebenbei beweist Schick mit 4 Könige mal wieder, dass es ihm bei der Auswahl seiner Projekte vor allem um das Projekt selbst und nicht um die Höhe der Gagen oder die Erfolgsaussichten an den Kinokassen geht. Wie er selbst sagt, steht und fällt das Projekt mit den beteiligten Akteuren und deren Leidenschaft für das, was sie tun. Den Beweis tritt er gleich selbst an, indem er wie ein Wegweiser für die „eigentlichen“ Hauptrollen fungiert. Dass die mit Dr. Wolf aufgrund gänzlich anderer Ansichten im Streit liegende Krankenschwester Simone von Anneke Kim Sarnau verkörpert wird, bestätigt Schicks Einschätzung nochmals. Denn wenn ein relativ kleines Projekt für eine ebenso kleine Nebenrolle eine Schauspielerin vom Format Sarnaus gewinnen kann, muss es sich um etwas Besonderes handeln.

Besonders ist auch die Herangehensweise in der Darstellung der vier Jugendlichen. Von Eltz verzichtet hier bewusst auf das Benennen konkreter Krankheitsbilder, um die Figuren nicht auf solche zu beschränken. Stattdessen stehen die Menschen selbst im Fokus und während sie sich gegenseitig immer offener begegnen, erfährt auch das Publikum nach und nach, warum sie eigentlich in der Psychiatrie gelandet sind. Oft bleibt es da zwar bei Andeutungen, Details sind aber auch gar nicht so wichtig, um die Probleme nachvollziehen zu können. Einzig die recht eindimensionale Darstellung der Eltern der 4 Könige wirkt etwas zu simpel, hier ist die Gefahr des Stempels „Vollversager“ dann doch zu groß. Vielleicht hätte sich hier mit mehr Drehtagen und längerer Spieldauer etwas mehr herausholen lassen – im Rahmen des Möglichen braucht sich von Eltz aber nichts vorwerfen lassen.

Obwohl 4 Könige „nur“ auf DVD erhältlich ist, macht das Bild einen sehr guten Eindruck. Auch bei schnellen Schnitten und der bei einigen Szenen hektischen Kameraführung (was keine Schwäche ist, sondern als Stilmittel dient) verliert es nicht an Qualität, größtenteils ist das Bild ohnehin recht ruhig und klar strukturiert. Details kommen fast immer gut zur Geltung und der Zuschauer wird sozusagen sanft auf die wesentlichen Punkte „gestoßen“. Ein paar Abstriche muss man beim Ton machen, hier werden ab und zu ein paar Zeilen der Dialoge verschluckt oder sind einfach etwas unverständlich. Das setzt sich sogar teilweise in den Interview im Bonusmaterial fort, was allerdings nur die Statements der Produzenten betrifft. Die Interviews mit den Darstellern und der Regisseurin sind nicht betroffen und geben interessante Einblicke in die Entstehung des Films.

Fazit

4 Könige ist dank großartigen Schauspielern und einem gelungenen Regie-Debüt von Theresa von Eltz ein sehenswertes und kurzweiliges Drama. Eine ohne übertriebene Spannungsbögen konsequent erzählte Geschichte rückt die sich kontinuierlich entwickelnden Charaktere gekonnt in den Mittelpunkt, ohne sich dabei verbrauchter Klischees bedienen zu müssen und ohne unrealistische Szenarien zu erzwingen.

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